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...wonach ich suche...

                                                                                                                                                                                                                x

 

Vor etwa 10 Jahren habe ich mich bei Spaziergängen erstmalig ein wenig eingehender mit den Tafeln des geologischen Lehrpfades entlang des Wanderweges am Segeberger See beschäftigt. Auf dem Aussichtspunkt am Moosberg stehend, von wo man ein sehr schönes Panorama über fast den gesamten See erblickt, las ich, dass der Große Segeberger See zusammen mit dem Klüthsee nicht durch die letzte Eiszeit in die Landschaft geprägt wurde, sondern vielmehr den Scheitelgraben des sich darunter befindlichen, riesigen Salzstocks darstellt.

 

Scheitelgraben? Salzstock? Ein so beeindruckendes Loch, dass ein großer See daraus wird, entsteht, weil darunter Salz aufgestiegen ist?

 

Bei dem nächsten Aussichtspunkt am Kalkhausberg, auch Kalkkuhlen genannt, ist eine Karte der unmittelbaren Umgebung zu sehen, auf der diverse Dolinen (Erdfälle) eingezeichnet sind. Das sollen Versackungen von Erdreich in den Untergrund sein, weil darunter befindliche Hohlräume eingebrochen sind. Und am Kagelsberg würden auch noch mehr davon zu finden sein! Das war der Moment, von dem an ich durch meine Neugier angetrieben hier und da die vorgegeben Wege verlassen habe, um mir das einmal selbst anzuschauen. Und tatsächlich: Manche dieser Löcher sind so groß, dass man Mehrfamilienhäuser darin verschwinden lassen könnte. Und dann war da ja auch noch der Kalkberg mit seiner großen Höhle...

 

Ich fing an nachzulesen, was man bei Google und Konsorten über die geologische Beschaffenheit des Ortes wohl so alles erfahren kann und das war seinerzeit erstaunlich wenig. Die meisten meiner Fragen blieben unbeantwortet. Erst die Artikel und Aufsätze von dem leider damals schon verstorbenen Dr. Jürgen Hagel in den Heimatkundlichen Jahrbüchern für den Kreis Segeberg, welche in der Stadtbücherei zu finden sind, brachten ein wenig mehr Erkenntnis.

 

Derart faszinierende und auch ein wenig unheimliche Vorgänge spielen sich hier bekannterweise direkt unter unseren Füßen ab, und doch ist zu diesem Thema so wenig veröffentlicht? 

 

Seitdem trage ich zu diesem Thema zusammen, was ich finden kann und gehe abhängig von der mir zur Verfügung stehenden freien Zeit den sich daraus ergebenden Fragen und Hinweisen nach. Diese Homepage ist mein Mittel, die Fülle an relevanten Informationen zunächst für mich sinnvoll zu strukturieren, überall verfügbar zu haben und darüber hinaus auch in einem größeren Kreis kommunizieren zu können.

 

Inzwischen findet man zu dem Thema einige Veröffentlichungen mehr, als noch vor zehn Jahren. In der Linkliste ist davon einiges zu finden. 

 

Und nun nochmal die überaus spannende Frage:

 

Gibt es am Ort noch weitere Höhlen wie die Kalkberghöhle? 

 

Ich persönlich bin nach mehrjähriger Beschäftigung mit dieser Frage als Laie davon überzeugt.

Das Vorhandensein mehrerer Großer Gesteinskörper (Anhydrithärtlinge), die wie der Kalkberg vom Salzstock aus großer Tiefe in die Höhe gehoben worden sind, und die sich stellenweise nur wenige Meter unter der Geländeroberfläche (wo bekannt im Grundwasser liegend) befinden, macht dies zumindest nicht unwahrscheinlich.

Noch interessanter scheint mir inzwischen jedoch die Frage zu sein, wie es unter diesen auch Hutgestein genannten großen Anhydritschollen wohl aussieht, die ja auch in großen Bereichen unter dem Stadtbereich von Bad Segeberg liegen. Da diese dem Salzstock aufliegen, welcher in weiten Bereichen nur wenig mehr als 100m unter unseren Füßen ansteht, und seit Jahrtausenden einsickerndes Regenwasser eindringt, Salz auflöst und wegführt, werden sich wohl an verschiedenen Stellen in der Tiefe vermutlich große Salzkavernen gebildet haben. Das ist gleichermaßen faszinierend wie unheimlich. Für mich ist es unheimlich faszinierend!

 

 

Für jeden Diskussionsbeitrag ein herzliches Dankeschön! - Kritik und Denkanstöße sind willkommen.

 

 

 

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Kommentare: 10
  • #1

    Kiki (Dienstag, 14 Mai 2013 18:22)

    Vielen Dank für die spannenden Infos und weiterhin viel Erfolg bei deinen Forschungen :)

  • #2

    Regina (Sonntag, 19 Mai 2013 11:57)

    Ich finde es besonders interessant, einen Zusammenhang zwischen Dachsbauten und möglichen darunter liegenden größeren Höhlen herzustellen, in denen evtl. Tausende Fledermäuse leben! Wow!
    Viel Erfolg bei deinen Forschungen und ich hoffe, dass du irgendwann tatsächlich auf DIE Höhle stößt.
    Toi, toi weiterhin, Regina T.

  • #3

    geoprojektse (Dienstag, 21 Mai 2013 23:10)

    Hallo Regina!
    Wenn im betreffenden Gebiet tatsächlich noch eine Höhle sein sollte, so wohl doch kein größeres Myotis-Winterquartier. Da die Fledermäuse durch die Dachsbaugänge krabbeln müssten, wären sie eine leichte Beute für den Dachs und es kann sich also keine große Fledermaus-Population aufbauen. Das Quartier `Kalkberghöhle` bleibt somit einzigartig. Da aber vereinzelt Myotis-Anflüge zu einer Zeit detektiert wurden, wo ihr Vorkommen dort sehr unwahrscheinlich ist, besteht die Möglichkeit, dass dort ein Höhlen-Quartier mit einer kleinen Population vorkommt und von den Fledermäusen vielleicht alte und vom Dachs nicht mehr begangene Gänge benutzt werden.

    liebe Grüße, helmut

  • #4

    Sabrina (Freitag, 24 Mai 2013 16:35)

    Hallo Helmut,
    erst mal vielen Dank für eine derart großartige Seite!! Dein Informationsfundus rund um die segeberger Karstlandschaft ist wirklich erstaunlich. Du gehst hier auf Themen ein, die mir bisher auf diese Weise unbekannt waren und stellst alles sehr verständlich dar.
    Ganz besonders faszinieren mich die geologischen Störungszonen, auf denen vermehrt Ameisen Ihre Hügel errichten. Das habe ich über Deine Seite zum ersten Mal gehört und mich sofort noch weiter versucht zu informieren, was überhaupt nicht einfach war. Ich hoffe, über Deine Seite bald mehr darüber zu erfahren und bin total gespannt wie es weiter geht.
    In Sachen "Höhlenfindung" drücke ich Dir auf jeden Fall die Daumen!
    Ich werde diese tolle Seite im Auge behalten!
    Ganz liebe Grüße,
    Sabrina

  • #5

    geoprojektse (Samstag, 25 Mai 2013 10:17)

    Hallo Sabrina,
    vielen Dank für Dein großes Lob! Ich fühle mich geschmeichelt.


    Zum Thema `RWA über aktiven tektonischen Störungszonen` hier ein paar Links zur Uni Duisburg-Essen:

    Dissertation Dr. Nicole Brennholt 2008
    http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=19681

    Dissertation Dr. Gabriele Berberich 2010
    http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DocumentServlet?id=23829

    Einen zusammenfassenden Text mit Grafiken von Dr. Berberich u. Prof. Ulrich Schreiber in Englisch
    http://www.mdpi.com/2076-2615/3/2/475

    liebe Grüße,
    Helmut

  • #6

    Sabrina (Samstag, 25 Mai 2013 15:05)

    Hallo Helmut,

    vielen Dank für die Links, da habe ich ja jetzt einiges zu lesen ;-)

    Ich bin bei meiner Recherche auf einige Foren gestoßen, in denen heiß über das Thema der Waldameisen über Störungszonen diskutiert wurde. Allerdings waren die Beiträge von 2006...
    Umso spannender finde ich es, dass sich das Thema gehalten und weiter bewiesen hat und durch Dich sogar nach Bad Segeberg gekommen ist!
    So wie es aussieht, bist du der Erste, der die Hügel entlang dieser Störungszonen kartiert hat, oder?

    Ich bin auf jeden Fall sehr gespannt was sich bei Deiner Suche noch so ergibt und wo das alles hinführt.

    Alles Gute und liebe Grüße,
    Sabrina

  • #7

    geoprojektse (Montag, 03 Juni 2013 14:37)

    @Sabrina
    Man muss ja immer sehr vorsichtig sein, wenn es um um die Behauptung von Zusammenhängen geht, die genau genommen noch eines fundierten Beweises bedürfen, was in diesem Fall wahrscheinlich eine Messreihe von Geogasanalysen im Untersuchungsgebiet wäre. Jedenfalls habe ich das Thema `RWA über tektonischen Störungszonen` hier für Segeberg aufgegriffen und an berufener Stelle das Interesse für die Gegebenheiten hier vor Ort wecken können. Ich bin auch sehr gespannt ...

    `lieben Gruß, Helmut

  • #8

    Mark (Dienstag, 18 Juni 2013 14:09)

    Hallo Helmut, interessantes Projekt.

  • #9

    richard (Donnerstag, 13 März 2014 20:54)

    eine wirklich spannende seite! – alle achtung!
    ich hoffe dein wunsch eine „höhle“ zu finden geht in erfüllung. sieht aus als wärst du auf dem weg dorthin. wer weiß, vielleicht trägt sie ja dann deinen namen.
    viel glück/erfolg - und vorsicht, nicht dass du in eine solch merkwürdige höhle/spalte fällst.
    grüße aus tensfeld
    richard

  • #10

    Hammer (Samstag, 09 Januar 2016 14:40)

    Hallo Helmut,
    ganz großartige Arbeit.
    Möglicherweise führen ja noch die Erkenntnisse im Zusammenhang mit der A 20-Trasse zu einer neuen
    Betrachtung.
    Weiterhin viel Erfolg und reichlich Vergnügen bei Deinen Exkursionen und bemerkenswerten
    Forschungen.
    Hammer







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