Lübecker Nachrichten (LN) vom 1.11.1997

zum Erdbeben am 29.10.97 bei Bad Segeberg:  (s.u.)                                                    x

 

Großer Schrecken für die Bewohner in und um Quaal:

Für zwei Sekunden bebte die Erde

Von WOLFGANG GLOMBIK

 

Wenn die Lübecker Nachrichten die Experten nicht mit den Beobachtungen der Quaaler Bürger konfrontiert hätten, wäre denen das lokale Beben mit einer Stärke von vermutlich „nur“ 1,5 auf der Richterskala nicht aufgefallen. Doch in Quaal waren die Menschen beunruhigt und erkundigen sich auch besorgt bei der Polizei.

„Plötzlich gab es einen großen Knall“, berichtete zum Beispiel Rosemarie Büschen. „Mein Mann ist zur Kontrolle sofort nach draußen gelaufen.“ Wenige hundert Meter entfernt spielte Johannes Carstens mit seinen Freunden Skat. „Auf einmal rumpelte es“, erzählte Carstens. Das Haus wurde von einem sekundenlangen „ordentliche Stoß“ bewegt. Carstens vermutete im ersten Moment eine Sprengung.

Carla Knoche aus Quaal hatte schon nachmittags einen kleinen Erdstoß bemerkt. Kurz vor 21 Uhr wurde es noch schlimmer. Jetzt vibrierte das ganze Haus. „Der Schornstein knackte“, berichtete sie.

Die 16jährige Sonja Johannsen hatte gerade ihr Zimmer aufgeräumt. „Es krachte plötzlich und die Decke bewegte sich.“ Sofort stürmte ihr Vater nach oben. Doch der Spuk war nach zwei Sekunden vorbei.

Edith Schramm hatte schon gegen 16 Uhr draußen einen „Rumms“ bemerkt, den sie nicht zuordnen konnte. Später gegen 21 Uhr, sie war gerade zu Bett gegangen, zitterte das ganze Haus. Edith Schramm: „Ich dachte nur, mein Gott“. Auch in der Nachbarschaft waren die Bewohner auf die Straße geeilt. Manche vermuteten eine Explosion oder einen Überschallknall.

Doch das schloß der Seismologe Jürgen Klußmann vom Hamburger Institut für Geophysik gegenüber den LN aus. Eine Explosion konnte der Experte bei der Auswertung der Daten aus der Erdbebenwarte am Kalkberg nicht feststellen. „Das deutet eher auf einen Einsturz hin, da die Bewegung hin zum Zentrum läuft.“ Denkbar sei zum Beispiel, daß sich im Segeberger Salzstockgebiet ein Einsturz ereignet hat (siehe HINTERGRUND). Das kleine Beben, das offensichtlich keine Schäden verursacht hat, habe sich etwa drei bis vier Kilometer nordöstlich von Segeberg um 19:58 Greenwich-Zeit, also 20:58 örtlicher Zeit, ereignet. Das Zentrum des Bebens müßte demnach zwischen den Dörfern Stipsdorf und Quaal liegen. Für Menschen bestand nie eine Gefahr. Auch gegen 15:40 und um 16:33 Uhr sind ähnliche aber sehr viel kleinere Erschütterungen registriert worden. Über die genaue Stärke des Bebens könnten Mitteilungen erst nach einem Vergleich mit anderen Erdbebenstationen gemacht werden, betonte Klußmann.

 

Bildunterschriften:

1) Das Beben entstand zwischen Quaal und Stipsdorf: Um 19:58 Greenwich-Zeit, d.h. um 20:58 Ortszeit, zeichnete die seismische Station am Kalkberg in Bad Segeberg diese deutliche Erschütterung auf.

2) Die Wände bebten: Auch Sonja Johannsen aus Quaal bemerkte das kurze Beben

3) Nach dem Erdstoß am Mittwoch gingen Dorfbewohner in Quaal auf die Straße, um ihre Häuser zu kontrollieren. Doch bislang ist über Schäden an den Häusern nichts bekannt geworden.

4) Das Haus zitterte: Edith Schramm hatte erst gar nicht an ein Erdbeben gedacht.

 

Einsturzbeben bei Bad Segeberg 1997 (Klußmann, DKRZ)
Am 29.10.97. wurden in BSEG drei kleine lokale Ereignisse registriert.
Am 18. 12. ereigneten sich 2 weitere etwas entferntere lokale "Beben" (?).

Leider ist dieser Link im Internet nicht mehr aktiv. Ich hatte mir seinerzeit aber die Mühe gemacht, diese Seite zu kopieren und als .doc abzuspeichern...

*****eine Rekonstruktion des Online-Artikels: siehe Seitenleiste rechts!*****
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Einsturzbeben 97_Klußmann dkrz.doc
Microsoft Word Dokument 80.5 KB

Verortungen nach Klußmann und Klinge:

Epizentrum-Verortungen nach Klußmann (DKRZ) und Klinge (SZGRF)
Epizentrum-Verortungen nach Klußmann (DKRZ) und Klinge (SZGRF)

weitere Ausarbeitungen, siehe METHODE : Aquifer und Erdfälle

& salztektonische Hochlagen u. mutmaßliche Störungszonen

 



Link: WWW-Wellenform-Anfragen BGR Datenarchiv Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe

 

Der Seismograph in der Kalkberhöhle trägt das Stationskürzel BSEG und zeichnet seit dem 20.12.1995 die 3-Komponenten z, n, e (vertikal, nord-süd, ost-west) für die Kanäle bh, lh, hh (1/ 20/ 100 Hz) auf

 

Zu öffnen sind die Wellenformdateien (hier Mini-SEED) neben anderen mit dem kostenfreien Programm (Java-Applet):

SeisGram2K  [ Download-Link siehe Seitenleiste ]

Die Seismogramme vom 29.10.1997 um 20:58Uhr :

29.10.1997, 19:58:18
Bild 1) Kanal bh=20Hz (29.10.1997, 19:58 GMT)
Bild 2) Spektrogram z-Achse
Bild 2) Spektrogram z-Achse
Bild 3) Kanal hh=80Hz
Bild 3) Kanal hh=80Hz

(auffallend ist die Resonanz bei 4Hz...)


 

Bild 4)  7 Minuten davor und 6 Minuten danach
Bild 4) 7 Minuten davor und 6 Minuten danach

Interpretation:

Da es sich sehr wahrscheinlich um ein untergründiges Verbruchereignis handelt, erscheint hier das fast 4minütige "einquietschen" bei etwa 8Hz bis gut zwei Minuten vor dem Einsatz besonders interessant zu sein, und ebenso das fast 5minütige Pendant anfangs bei 19Hz und gegen Ende bei 26Hz ab dem etwa 2sekündigen impulsiven Ereignis (Bild 4). Eine mögliche Interpretation könnte sein, dass es sich bei dem 8Hz-Signal um die akustische Spur einer langsamenen Absetzbewegung eines abgelösten Anhydritblocks handelt, die aber wieder kurz zum Stillstand kommt, weil dieser sich leicht verkantet. Um 19:58:19 GMT löst sich die erneut aufgebaute Spannung, und der Block fällt in das oberflächlich gelöste Steinsalz, welches an der Basis des Aquifers sowohl in gelöster als auch in kristalliner Phase mit freien und mit dem Steinsalzkörper verbundenen Kristallstrukturen nebeneinander existiert (siehe Bilder unten Phasenübergänge des Wassers zur Veranschaulichung). Unter der Last des Anhydritblocks wird das Sole-Salzkristall-Gemisch seitlich herausgpresst bis der Block seinen festen Auflagepunkt erreicht hat. Dieser Vorgang ist dann in der 19/26Hz-Spur ablesbar. Eine andere Deutung wäre, dass ein Anhydritblock über einem Aquifer im Bereich des Salzhangs an der Flanke des Diapirs verstürzt ist und den Salzhang in einem Bett aus teilkristalliner Sole noch ein Stück weit (vielleicht einige Dezimeter) herabgerutscht ist. Dann käme der 26Hz Bereich des Signals den quietschenden Bremsen eines Güterzuges gleich. Der mobile Anteil der Auflage, nämlich die Sole, würde auch hier seitlich herausgepresst werden, so dass sich die Bremswirkung des kristallinen Anteils ab einem bestimmten Punkt schnell verstärkt (Anstieg auf 26 Hz) und die sich stetig verlangsamende Bewegung des Blocks am Schluss relativ abrupt stoppt. Sehr wahrscheinlich liegen die unter den Anydritschollen des Salzdoms gelegenen Aquifere nicht als reine Salzkavernen vor, sondern sind neben der Sole noch mit Sedimenten (feinste Schlämme und Sande) angefüllt, die über die Jahrtausende eingeflossen sind. Doch auch hier würde es nach dem Verbruchereignis noch eine Absetzbewegung geben, bis der tragende Untergrund eine ausreichende Kompaktheit erreicht hätte.

Die Größenordnung der Energiefreisetzung bei einer Magnitude von 1,5mL beträgt etwa 5.000.000 Joule.

Das entspricht zum Beispiel der Freisetzung der Lageenergie einer Masse von 500t

(z.B. ein Anhydritblock von 7,5 x 7,5 x 3m) bei einem Sturz um 1m.

Auflösung von Steinsalz zur Veranschaulichung:                                                                                          teilkristalline Salzlösung

Phasenübergänge des Wassers zur Veranschaulichung:                                                                                teilkristalline Lösungen


                                                                                                                                                                                           Fließfacetten

z, n, e                                              south                                               east                                                above

`Particle Motion` BSEG 29.10.1997 Hauptereignis 20:58 = 19:58 GMT/ UTC (Der Nullpunkt des Koordinatensystems entspricht dem Standort der seismischen Messstation. Die den Achsen z,n,e (z,y,x) zugehörigen Werte sind dimensionslos und geben die Winkelverhältnisse bezogen auf den Nullpunkt an)

wähle Quality 480p

weltweit verzeichnete seismische Ereignisse in der Übersicht findet man hier:

GEOFON Extended Virtual Network (GEVN)

GEOFON-Programm des GFZ

GeoForschungsZentrum am Helmholtz-Zentrum Potsdam

Fragestellung zum Abriss des des ehemaligen Cafe-Restaurants `Bergschlößchen`

Bergschlößchen um 1902
Bergschlößchen um 1902

Hat  der  Abriss  des  Bergschlösschens  an  der  seismischen  Station  in  der  Kalkberghöhle  (BSEG)  wahrnehmbare  seismische  Ereignisse  erzeugt ?

Gegenüberstellung lokal registrierter seismischer Ereignisse an der Station BSEG (BGR) und global registrierter seismischer Ereignisse GEVN (GFZ) im Zeitraum 14.10.-5.11.2015.

Einige Tage vor und nach den Abrissarbeiten im hier gezeigten Zeitfenster haben keine relevanten lokalen oder globalen seismischen Ereignisse stattgefunden.

Nach dieser Gegenüberstellung lässt sich lediglich das Ereignis 29.10. um 7:39 UTC (Ortszeit 8:39 MEZ) mit den Abrissarbeiten in Verbindung bringen. Die Richtungsangaben zum Herd dieses impulsiven Ereignisses, welche aus der Darstellung Particle Motion abzulesen sind, legen nahe, dass es sich dabei um einen unwirschen Absetz- oder Aufnahmevorgang des Rollcontainers am zweiten Standort handelt. Der erste Containerstandort befand sich unmittelbar unter dem Bergschlösschen am David-Kropff-Weg. Dort hat man zunächst die Dachziegel, Holz- und Leichtbauelemente des Gebäudes gesammelt. Der zweite Standort wurde offenbar aus Sicherheitsgründen in größerem Abstand zur Höhle abgesetzt und war der Aufnahme der abgerissenen schweren Ziegelmauerbruchstücke vorbehalten.

impulsives seismisches Ereignis bei Abrissarbeiten Bergschlösschen, Verortung nach Richtung: Standort Absetzcontainer (8-10m³) zwischen Adresse `Am Kalkberg 3` und der Kreuzung `David-Kropff-Weg  Zufahrt Bergschlösschen` in Relation zu Standort BSEG (?)

Standort des 15m³-Abrollcontainers  zwischen `David-Kropff-Weg 3` und der Kreuzung `David-Kropff-Weg / Zufahrt Bergschlösschen` (2.Container-Standort) in Relation zum Seismographen BSEG: Der Seismograph befindet sich mittig im sogenannten Fliegengang bei 37,5m üNN. Der Container stand dazu bei 210° SSW in etwa 100m Entfernung ca.59m üNN.

Bergschlösschen um 1960
Bergschlösschen um 1960