Die METHODE

- Eine Fleißarbeit -

 

Durch die möglichst umfassende Betrachtung von markanten Landschaftselementen, wie Geländedepressionen (zunächst ungeachtet ihrer Genese), Geländekuppen, Quellen und anderen Gewässern, sowie mit der Geologie korrespondierenden biologischen Phänomenen und damit im Zusammenhang auch des zugänglichen Kartenmaterials, sollte es vielleicht auch dem interessierten Laien möglich sein, weitergehende Schlussfolgerungen über die Beschaffenheit der Hochlage des Segeberger Salzstocks (Salzdiapir) und damit auch zum untergründigen Karst zu entwickeln. Die auf diesen Seiten vorgestellte Datensammlung und deren Aufbereitung dienen zunächst einer möglichst übersichtlichen und zusammenhängenden Betrachtung aller zugänglichen relevanten Informationen. Die sich daraus ergebenden möglichen  Schlussfolgerungen sollen hier in der Hauptsache zunächst noch nicht besprochen werden, sondern ggfs. Gegenstand weiterführender Ausarbeitungen sein.

 

Geländedepressionen (rot)
Geländedepressionen (rot)

`Google-Earth` hat sich als Georeferenzierungsystem zur zusammenhängenden Betrachtung von zuvor gesammelten Informationen als geeignet erwiesen. Wenn man häufig auf der Suche nach Erdfällen, Dolinen, Söllen und Mergelgruben (n.a.) mit GPS-Gerät im Gelände unterwegs war und seine Beobachtungen mit den Satellitenfotos auf Google-Earth abgeglichen hat, stellt man irgendwann fest, dass ein großer Teil dieser Recherche auch bequem zu Hause am Bildschirm durchgeführt werden kann. Auch lässt sich das `historische` Bildmaterial (für den Raum Segeberg hier bisher aus 2004, 2006 u. 2010) nutzen, um herauszufinden ob Auffälligkeiten im Pflanzenwuchs auf saisonal bewirtschafteten Flächen über längere Zeit Bestand hatten. Daraus ergeben sich Hinweise auf kleinräumige Abweichungen bei dem der Vegetation zur Verfügung stehenden Feuchtigkeitsangebot und somit der Beschaffenheit des oberflächennah anstehenden Untergrundes: Wasser schwindet, sammelt sich oder tritt aus.

& mehrjährig auffälliger Pflanzenwuchs
& mehrjährig auffälliger Pflanzenwuchs

 Besonders interessant ist es, wenn diese `Gelände-Marken` in Linien oder Clustern angeordnet sind. Man sollte bei dieser Betrachtung allerdings nicht vergessen, dass diese Erscheinungen nicht nur durch untergründig anstehendes Karstgestein, sondern auch durch eiszeitliche Ablagerungen (Ton, Schluff, Sand, Geröll) bedingt sein können. Daten zum Geländerelief lassen sich mit der Bild-Overlay-Funktion durch das Überlagern topografischer Karten (z.B. vom `NIBIS-Kartenserver` od. `Landwirtschafts- und Umweltatlas Land SH`) generieren. Weitere, unter dem Punkt `Kampagnen` erläuterte Untersuchungen beziehen sich auf das Auffinden geogener Einträge von Karstwässern und Sole in die Oberflächengewässer, das Verorten rezent aktiver Subrosionsvorgänge und die Entstehung neuer Dolinen /Erdfälle sowie Betrachtungen zu sog. `Bioindikatoren` zum Auffinden aktiver Bruchlinien /Störungszonen und damit verbundenen unterirdischer Hohlräume (Nester Roter Waldameisen, ausgedehnte Dachsbauten sowie Fledermäuse: Myotis-Arten).


  Bei dem hier vorgestellten `hypothetischen Muster von salztektonischen Störungszonen` handelt es sich zunächst nur um einen spekulativen Ansatz, welcher sich an den bisher veröffentlichten Erkenntnissen zur Geologie bei Bad Segeberg orientiert, und der für weitere gezielte Untersuchungen Anhaltspunkte liefern soll (Am 9+14..2.2015 wurde dieser Teil nochmals wesentlich ergänzt):

 

systematische Entwicklung eines hypothetischen Musters von Störungszonen über dem Salzstock von Bad Segeberg

Sorry! Das ursprüngliche Bildmaterial wird gerade überarbeitet und ist daher z.Zt. hier nicht zu sehen. In ein paar Tagen gibt es an dieser Stelle wieder mehr... 7.3.15

Legende:

Die inneren gelben Linie stellen den Randbereich der Hochlage des Salzstocks dar, die hellgelben äusseren Linien deuten die Randlage des Salzkissens an [nach LBEG Niedersachsen, NIBIS Kartenserver]. Die grüne Linie zeichnet die präquartäre Hauptstörung nach [Karte des präquartären Untegrundes SH 1:200.000]. Die roten Linien markieren die per Google Earth und in den topografischen Karten des `Landwirtschafts- u. Umweltatlas SH` und Gewässertiefen-Karten (LLUR), sowie zahlreich auch vor Ort gefundenen Gelände-Depressionen: Erdfälle, Dolinen, Subrosionszonen (aber auch Sölle, Mergelkuhlen, Schönungsgräben, Regenrückhaltebecken etc.). Mit `Kreis` gekennzeichnet sind sowohl die vom Geologischen Landesamt SH (LLUR) bestätigten als auch die von mir gemutmaßten, großen bis kleinsten Erdfälle u. Dolinen, sowie markante Subrosions-Senken. `Stern` kennzeichnet die prominentesten Geländekuppen, `Pfeil nach unten` die max. Gewässertiefen. Mit der blauen Linie ist der Verlauf der Trave gekennzeichnet, hellblau steht für Entwässerungsgräben, Bäche und Kleingewässer. `kl. Kreis mit schw. Punkt` kenzeichnet Auffälligkeiten im Pflanzenwuchs über  mind. 2 Jahre (ermittelt durch Vergleich des "historischen" Kartenmaterials von GoogleEarth).

Quellen sind jeweils durch `Dreieck` gekennzeichnet. Linien in pink zeichnen die Ränder von sumpfigen Bereichen nach.

Gerade weiße Linien deuten das aufgrund markanter `Geländemarken` hypothetisch angenommene Muster salztektonischer Bruchlinien /Störungszonen an.

 

 zur Karte  "Lage der tektonischen Elemente im Salzstock Bad Segeberg" (in der Slideshow oben)

Original-Titel: "Die Tiefenlage der Quartärbasis auf dem Salzdom von Segeberg"

(Teichmüller 1946)

 

Schwarz: zutage tretender Hauptanhydrit,

Punktiert: Senken über dem jüngeren Steinsalz 

 

Beschriftungen:

Aufgeschlepptes Mesozoikum (Kreide)

Rand des Tops nach Drehwage und Bohrungen

Kalkbergachse

Kalkkuhlenachse

Segeberger See

Klüth-See

Kontur einer seismischen Hochlage

Stipsdorf

Roter Salzton

 

Der obigen Ausarbeitung liegt die Vorstellung zu Grunde, dass sich die Hebungs- und Senkungsbewegungen des Salztock-Top (Auftrieb, seitliches Abfließen und Senkung durch Subrosion) und somit auch das Heben und Einsinken der aufliegenden und auch der im Steinsalz eingeschlossenen Anhydritschollen bis an die Oberfläche durchpausen und dort (bedingt) abgelesen werden können. Die größte Schwierigkeit besteht darin, die eiszeitlichen und die antropogenen Überprägungen des Landschaftsreliefs von denen der Salztektonik zu unterscheiden. Umfassende Untersuchungen und Recherchen diesbezüglich für alle diese Punkte im gesamten Untersuchungsgebiet übersteigen natürlich die zeitlichen und finanziellen Mittel eines Privatmenschen. Verschneidet man aber die Ergebnisse zweier unsauberer, von Störfaktoren unbereinigter Methoden miteinander, die sich auf die selbe Fragestellung beziehen, kommt es zu so etwas wie einem `Schmutziges-Handtuch-Effekt` (- Selbst mit einem schmutzigen Handtuch kann man sein Glas noch sauber wienern). Wissenschaftlichen Standards genügt diese Herangehensweise sicher nicht. Sie führt aber nach weiteren Überlegungen dennoch dazu, sich von der Beschaffenheit des nahen Untergrundes eine plausible Vorstellung ableiten zu können.

 

Synthese

Man sieht in den folgenden Bildern das vom Salzstock gehobene Material nach SO geradezu `wegfließen`. Und man erkennt am Verlauf des Westufers den urspünglich aufgebrochenen Scheitelgraben. Das Westufer scheint auf seiner ganzen Länge aus drei großen, massiven Blöcken zu bestehen, deren Aufstieg vielleicht aufgrund ihrer relativen Unverbrochenheit und daher ihres großen Gewichts vor geraumer Zeit zum Stillstand kam. Entlang der Präquartären Hauptstörung (rheinisches Streichen), welche Teil eines älteren und viel größeren Störungssystems ist und den Salzaufstieg eingeleitet hat, sind die salzüberdeckenden Schichten aufgerissen wie die Kruste eines beim Backen aufgehenden Brotes. Hier konnten nun Niederschläge und auch Schmelzwässer der letzen Eiszeiten das Salz lösen und wegführen und so den Scheitelgraben vertiefen und verbreitern. Im Bereich der Stadt südlich des jetzigen Großen Segeberger Sees und entlang seines Ostufers dauerte der Salsaufstieg hingegen fort. In diese Richtung hatten sich durch die andauerde Aufwölbung des Diapirs Querstörungen geöffnet (herzynisches Streichen) und dadurch diesen Bereich weiter destabilisiert. Auch hier kam es jetzt zu großräumigen Subrosionszonen, in die hinein die angrenzenden Anhydritschollen zum Teil verkippten und sich zu senken begannen (Subduktion od. teilweise Subduktion, s.u.). Man kann auch erkennen, dass die Kalkbergscholle, `Die Hohekoppel` (Kuppe am Südufer bei DAK-Schulungszentrum), Spitzenort und Kalkkuhlen (die beiden Landzungen, die in den See von Ost hineinragen), und das Gelände um den Kagelsberg durch 5 unterschiedlich große, auf dem Salzstock aufliegende Hochschollen geprägt worden sind. Bohrungen treffen bei Spitzenort und Kalkkuhlen bereits nach wenigen Metern auf Gips und Anhydrit. Neben diesen beiden und der Kalkbergscholle ist unter dem Kagelsberg ebenfalls ein solcher Anydrithärtling bekannt. Der sich von SW nach NO erstreckende Höhenzug um den Moosberg zeigt entlang seinem Kamm eine Struktur, die wie ein neu entstehender, kleinerer Scheitelgraben anmutet. Möglicherweise hat sich hier an der östlichen Flanke des eigentlichen Diapirs ein Sub-Dom gebildet. Oder es handelt sich, so wie auf der Tafel vom geologischen Lehrpfad (weiter unten) gezeigt wird, um eine weitere Reihe von senkrecht stehenden Anhydrit-Hochschollen. Sulfatgestein findet man hier nach Angaben des geologischen Landesamts (LLUR) allerdings erst um 120m Tiefe.

 

Subduktion

In den Bereichen, wo das Salz durch einsinkendes Wasser langsam schwindet, verlieren die umliegenden Anhydritschollen einseitig ihr Auflager und es kommt zu Schrägstellungen und einem lansamen Abgleiten der Schollen in die Subrosionszone. Auch ein Brechen der Scholle ist denkbar. Wenn sie auf unterschiedlich stark subrodiertem Untergrund aufliegt, können Teilschollen unter ihrem eigenen Gewicht über einem Salzhang abbrechen. DieSchrägstellung bewirkt sogar noch eine Beschleunigung der Subrosion an diesem Punkt, da Niederschläge dem Gefälle der Scholle folgend zur Subrosionszone hingeleitet werden. Aufgrund des höheren spezifischen Gewichts von Anhydrit gegenüber Steinsalz und bei nun geringer nach Senkrecht wirkender Auflagekraft kommt es an der unteren Kante der Scholle zu einer erhebliche Druckzunahme. Das unter Druck plastisch werdende Salz fließt beiseite und die Scholle versinkt. Da das Salz kaum seitlich ausweichen kann, wird es in der Nähe Richtung Oberfläche gepresst und schleppt dort ggfs. kleinere Anhydrithärtlinge mit auf. Vielleicht ist ja der Kalkberg durch diesen `hydraulischen Mechanismus` derart prominent über den Untergrund `hinausgehoben` worden...

 

Sorry! Das ursprüngliche Bildmaterial wird gerade überarbeitet und ist daher z.Zt. hier nicht zu sehen. In ein paar Tagen gibt es an dieser Stelle wieder mehr... 7.3.15


LLUR

 als bekannt vorausgesetzte Hauptstörungszonen

Tafel Geologischer Lehrpfad

Kalkbergscholle im Relief (LLUR)

Höhen -Tafel

 

Der Kalkberg, die z2-z3-Grenze

Zechsteinfolge (Wikipedia)
Zechsteinfolge (Wikipedia)

Dem aktuellen Kenntnisstand nach besteht der Kalkberg aus dem Hauptanhydrit A3 zwischen Leine-Steinsalz (Folge z3) an der Westflanke und dem älteren (ursprünglich darunter liegenden) Straßfurt-Steinsalz (Folge z2) an der Ostflanke des Salzstocks. Der nördliche und östliche Rand der Kalkbergscholle wird scharf von einer annähernd senkrecht gestellten Kalkstein-/Dolomitbank begrenzt, welche ursprünglich unter dem Anhydrit A3 gelegen hat. Offenbar hat das Straßfurt-Steinsalz (Na2) das jüngere Leine-Steinsalz (Na3) während des Aufstiegs überholt und dabei wurde die dazwischen liegende, etwa 75m mächtige Anhydritschicht zusammen mit dem ca. 2m starken Dolomit in die Senkrechte gedreht. Die Fiskalische Bohrung IV bei Schacht 1 im ehemaligen Bergwerk auf der Kalkbergscholle hatte ergeben, dass im Bereich der Ränge des jetzigen Karl-May-Stadion 150m unter Grund das Salz der Leine-Serie unter dem Anhydrit (und rotem Salzton,T4, der sich auch an der Ostflanke des Diapirs oberflächennah findet und die Serie z3 nach oben hin begrenzt) ansteht.                         

Wenn man dieses Verhältnis auf die anderen bekannten Hochschollen überträgt, ergibt sich für den oberflächennahen Verlauf der Grenze zwischen z2 und z3 in grober Annäherung folgendes Bild:

Die dunkel- u. hellrote Linie zeichnet den mutmaßlichen Grenzverlauf zwischen Straßfurt-Steinsalz (Na2) an der Ostflanke und dem Leine-Steinsalz (Na3) im westlichen Verlauf des Diapirs.
Die dunkel- u. hellrote Linie zeichnet den mutmaßlichen Grenzverlauf zwischen Straßfurt-Steinsalz (Na2) an der Ostflanke und dem Leine-Steinsalz (Na3) im westlichen Verlauf des Diapirs.

salztektonisch bedingte Höhenlagen und durch salzwegführende Aquifere gebildete Geländesenkungen

salztektonisch bedingte Höhenlagen und durch salzwegführende Aquifere gebildete Geländesenkungen (vom Relief abgeleitet)
salztektonisch bedingte Höhenlagen und durch salzwegführende Aquifere gebildete Geländesenkungen (vom Relief abgeleitet)
+ (z.T. mutmaßliche) Erdfallaktivität im Holozän (bis heute)
+ (z.T. mutmaßliche) Erdfallaktivität im Holozän (bis heute)

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Hier lässt sich vielleicht erahnen, wie der Große Segeberger See und der Klüthsee in einigen tausend Jahren mal ihre Gestalt gewandelt haben könnten

Hier lässt sich vielleicht erahnen, wie der Große Segeberger See und der Klüthsee in einigen tausend Jahren mal ihre Gestalt gewandelt haben könnten
Hier lässt sich vielleicht erahnen, wie der Große Segeberger See und der Klüthsee in einigen tausend Jahren mal ihre Gestalt gewandelt haben könnten

 

 


 

Kalkberg von Westen / in der Senke hinter den Gebäuden liegt der `Kleine Segeberger See`
Kalkberg von Westen / in der Senke hinter den Gebäuden liegt der `Kleine Segeberger See`


helmut giljum

 

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