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Der Salzstock Segeberg-Sülfeld

unter & inmitten der Stadt Bad Segeberg

die Kalkberghöhle

                                                                                                                                                                                       

 

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Der Salzstock

Die weiße Linie zeigt den Rand des Salzkissens an seiner Basis und die gelbe Linie zeichnet die Kontur des Salzstockes nach
Die weiße Linie zeigt den Rand des Salzkissens an seiner Basis und die gelbe Linie zeichnet die Kontur des Salzstockes nach

 Der gesamte Salzdiapir erstreck sich von Plön bis Ahrensburg über eine Länge von 57 km zumeist in mehreren Kilometern Tiefe. Bei Bad Segeberg und bei Sülfeld erreicht er zweimal seine maximale Breite mit je 3 km und ist dort auch besonders hoch aufgestiegen. Lediglich unter Bad Segeberg bis hin zu dem Dorf Quaal ist sein Dom jedoch bis ins Salz lösende Grundwasser emporgedrungen, so dass sich dort ein Salzspiegel und ein Scheitelgraben, der heute in Form zweier Seen erkennbar ist, und eine formenreiche Karstlandschaft herausbilden konnten.

Die Höhle

Kalkberg & Kalkberghöhle im alten Stadtkern von Bad Segeberg (Höhen bezogen auf NN, Tiefen bezogen auf GOK). Grün = Gesteinskörper Kalkbergscholle + die Urform der Dahmlos-Kuhle (ein Erdfall) + hellblau = Kleiner Segeberger See im Jahre 1804
Kalkberg & Kalkberghöhle im alten Stadtkern von Bad Segeberg (Höhen bezogen auf NN, Tiefen bezogen auf GOK). Grün = Gesteinskörper Kalkbergscholle + die Urform der Dahmlos-Kuhle (ein Erdfall) + hellblau = Kleiner Segeberger See im Jahre 1804

Die Segeberger Karstlandschaft

Dahmlos-Kuhle 1951 schon zT. verfüllt, heute Karl-May-Platz
Dahmlos-Kuhle 1951 schon zT. verfüllt, heute Karl-May-Platz

Der Salzstock unter Bad Segeberg, der mit seinem Aufstieg aus etwa vier Kilometern Tiefe den Kalkberg und im Zusammenspiel mit den Schmelzwässern der letzten Eiszeit die darin enthaltene Höhle hervorgebracht hat, birgt noch einige spannende Geheimnisse! Die etwa 8.700 m² große Kalkberghöhle  inmitten des alten Stadtkerns war bis zu ihrer Entdeckung im Jahre 1913 den weitaus größten Teil der mit der Siegesburg beginnenden rund 890jährigen Stadthistorie und trotz des jahrhundertelangen Bergbaus dort zunächst ja auch unentdeckt geblieben. Allerdings wissen wir heute natürlich schon ein wenig mehr: So gilt das kleinräumige Gebiet um die Stadt Bad Segeberg, den Großen Segeberger See und den Klüthsee als Karstgebiet (bedeckter Karst), was durch das Vorhandensein von Dolinen und Erdfällen wie zum Beispiel den Kleinen Segeberger See oder auch die bereits verfüllte Dahmlossche Kuhle und den Erdfallgebieten am Ostufer des Großen Segeberger Sees deutlich wird. Und auch der Große Segeberger See selbst ist eine Besonderheit, stellt er doch den Scheitelgraben des darunter befindlichen Salzstocks und somit einen Einbruch der Geländeoberfläche in unseren Vorzeiten dar.

 

Auf diesen Seiten gehe ich nun der Frage nach, was sich an Hand der landschaftlichen Erscheinungen über die untergründigen Vorgänge herausfinden lässt, und ob hier vielleicht weitere Höhlen auf ihre Entdeckung warten.

Wer den Kalkberg und die Höhle darin kennt, mag sich vielleicht vorstellen können, dass noch dergleichen `Gebirge` (sog. Anhydrithärtlinge) unter den Hügeln in der näheren Umgebung verborgen liegen...

Dahmlossche Kuhle & Kleiner Segeberger See im ARX SEGEBERGA von Johann Greve 1585 (Reproduktion, zu sehen im Heimatmuseum `Alt Segeberger Bürgerhaus`)
Dahmlossche Kuhle & Kleiner Segeberger See im ARX SEGEBERGA von Johann Greve 1585 (Reproduktion, zu sehen im Heimatmuseum `Alt Segeberger Bürgerhaus`)

Nach einigen Führungen durch die beeindruckende Kalkberghöhle und Wanderungen entlang dem Rundweg um den Großen Segeberger See und durch seine schönen Landschaften war mein Interesse an den Vorgängen im Segeberger Untergrund geweckt. Wo sind beispielsweise die Massen an Erdreich, die in den großen Erdfällen am Kalkhausberg und am Kagelsberg in den Untergrund gesunken sind, verblieben? Sind diese Vorgänge in der ferneren Vergangenheit zum Abschluss gekommen oder dauern sie bis heute an? Gibt es hier weitere und bis heute noch unbekannte Höhlen?

Jedem, der Interesse an diesem Thema hat und der gerne auch mal aus der guten Stube herauskommt, sei eine Exkursion entlang des beim Noctalis am Kalkberg beginnenden Geologischen Lehrpfades und entlang den sogenannten Kalkkuhlen, und auf dem bewaldeten Kagelsberg empfohlen (s.u.). Wenn man mit offenen Augen und vielleicht auch mal querfeldein durch unsere faszinierend schöne Karstlandschaft am Rande des Ostholsteinschen Hügellandes spaziert, trifft man auf so manches erstaunliche Phänomen. Es lohnt sich also, den einen oder anderen Geologen von Rang und Namen zu befragen und sich zu belesen, was bisher über unseren Untergrund herausgefunden und veröffentlicht wurde - über rätselhafte Senklöcher im Boden (Erdfälle / Dolinen), über Quellen, Sümpfe, Kolke, die Aquifere und über Höhlen & Gebirge im Untergrund.

 

 

Säulenhalle - Die 2,3km Ganglänge,  8.740m² Grundfläche und ein Volumen von 23.000m³ umfassende Kalkberghöhle (eine sog. Laug- und Sickerhöhle) ist ein Beispiel für die Verkarstungsvorgänge im Segeberger Untergrund
Säulenhalle - Die 2,3km Ganglänge, 8.740m² Grundfläche und ein Volumen von 23.000m³ umfassende Kalkberghöhle (eine sog. Laug- und Sickerhöhle) ist ein Beispiel für die Verkarstungsvorgänge im Segeberger Untergrund
Topografie am Kalkberg
Topografie am Kalkberg

Die Kalkberghöhle

wurde 1913 im Rahmen des bis dahin schon zweieinhalb Jahrhunderte währenden Gipsabbaus entdeckt. Sie ist weitestgehend horizontal angelegt und befindet sich mit einem Boden-Niveau um etwa 37,5 m üNN etwa 4,5 m unter dem mittleren Stadtniveau. Allerdings erhebt sich über ihr der Kalkberg mit einer heutigen Gipfelhöhe von 90,8 m. Da das Gestein über fast 400 Jahre zur Gewinnung von Gips als Baustoff abgebaut wurde und von der einstigen Burganlage des Kalkberges, der Siegesburg, heute noch ein 42 m tiefer Rest des ursprünglich 84m tiefen Brunnens erhalten ist, wissen wir, dass Der ursprüngliche Gipfel früher noch um etwa mindestens 20 m höher lag. Die Höhle enthält ein Gangsystem von 2,3 km Länge mit insgesamt zwölf Hallen auf einer Grundfläche von ca. 8.700 m². Der Beginn ihrer Entstehung wird gemeinhin an das Ende der letzten Kaltzeit (Weichsel-Kaltzeit) vor rund 10.000 Jahren datiert. Es handelt sich hier um eine Sulfatkarst-Höhle, aufgrund der im Entstehungsprozess überwiegenden Phasen der Stillwassergenese genauer gesagt um eine sogenannte Laug- und Sickerhöhle.

 

Das Steinsalz (der Halit)

unter dem Kalkberg wurde im Jahr 1868 bei -96 m NN, also 152 m unter der Geländeoberkante (GOK), im Bereich des heutigen Kalkbergstadions erbohrt. Ab dieser Tiefe befindet man sich im Salzstock, der sich bis in eine Tiefe von weit über vier Kilometern erstreckt. Versuche, das Steinsalz zu fördern und ein Salzbergwerk zu errichten, wurden im Jahre 1880 wegen wiederholter, anhaltender und nicht beherrschbarer Wassereinbrüche (Sole) in die abgeteuften Schächte schlussendlich aufgegeben.

 

Der Kalkberg

besteht im Wesentlichen aus Anhydrit (CaSO4), welcher vor rund 250 Millionen Jahren im Zechstein-Meer als Evaporitgestein in mehreren Zyklen über insgesamt acht Millionen Jahre hinweg zunächst als Gips (Ca[SO4]·2H2O) abgelagert wurde. Dieser Gips wurde in der zeitlichen Folge diagenetisch in Anhydrit umgewandelt (Dehydratation). Beide Minerale werden chemisch als Calciumsulfat bezeichnet. Mit dem verdunstenden Wasser des Zechsteinmeeres wurden auch (neben ein wenig Calciumcarbonat) sehr große Mengen Steinsalz (Natriumchlorid, NaCl) ausgefällt, welches jeweils auf den Lagen von Calciumsulfat abgelagert ist. Durch fortwährende allmähliche Absenkung des Beckengrundes (Subsidenz) und Überlagerung mit den unterschiedlichen Sedimenten der folgenden Erdzeitalter gelangten diese Schichten aus Calciumsulfat und Salz in große Tiefen von einigen tausend Metern. Da Salz sich unter den in diesen Tiefen enorm hohen Drücken plastisch, d.h. fließfähig verhält, beginnt es in seinem ursprünglichen Lager dorthin zu migrieren, wo der Druck der aufliegenden ("hangenden") Schichten des sog. Deckgebirges am geringsten ist. Solche Salzansammlungen werden Salzkissen genannt. Sie bewirken Aufwölbungen des hangenden Gesteins, wodurch dieses stellenweise Risse bekommt und einem Aufstieg des Salzes in Form von Salzstöcken der Weg gebahnt wird. Auch aufgrund des geringeren spezifischen Gewichts von Salz (2,168 g/cm³) als dem des darüber liegenden Gesteins / des Deckgebirges drängt das Steinsalz, wenn Wegsamkeiten vorhanden sind, in Richtung Erdoberfläche. Dies begann hier vor etwa vier Millionen Jahren. Der Salzaufstieg, so wird heute gemeinhin angenommen, dauert gegenwärtig bei Bad Segeberg noch mit einer Rate von 1- 1,5 mm pro Jahr an. Die Begriffe für diesen Vorgang sind Salztektonik oder Halokinese. Das Gestein des Kalkberges, welches also ursprünglich Teil einer horizontalen Schicht in einer Tiefe von mehr als vier Kilometern zwischen den zwei mächtigen Steinsalzlagern der Folgen z2 und z3 (Zechstein-Folge) war, wurde von diesen nun aufsteigenden Salzschichten mit empor geschleppt und sogar ein Stück weit über die Erdoberfläche gedrückt. Dabei ist folgendes geschehen: Bei der ursprünglichen Aufwölbung des Salzes in der Tiefe (der Bildung des Salzkissens) verhielt sich das Steinsalz plastisch (also wie eine sehr zähe Flüssigkeit), das Anhydritgestein jedoch zerbrach in diverse Fragmente, in sogenannte Anhydrithärtlinge. Beim Aufstieg des Salzstockes (auch Salzdiapir genannt) wurde das Salz an den Kontaktflächen zum umgebenden Gestein (dem durchgeschlagenen Deckgebirge) gebremst. In der Mitte des Salzstockes konnte es somit schneller fließen als am Rand. So kommt es, dass das Salz der Folge z2 in der Mitte des Diapirs das Salz der Folge z3 in der äußeren Schicht des Diapirs durchschlagen und überholen konnte und die dazwischen eingeschlossenen und mitgeschleppten Anhydrithärtlinge in die Senkrechte gedreht/ gekippt wurden. Der Anhydrithärtling `Kalkberg` gehört zur Folge z3. Die Reihenfolge der Ausfällung der Minerale bei der Bildung von Evaporitgestein ist: Calciumcarbonat, Calciumsulfat, Natriumchlorid. So findet man heute an einigen wenigen Aufschlüssen an der Nordost-Wand des Kalkberges eine senkrechte, etwa 1,6 m starke Schicht aus Dolomit-Gestein, welches diagenetisch aus dem Calciumcarbonat gebildet wurde und ursprünglich als dünne horizontale Schicht unter dem Anhydrit lag. Die Schicht aus Anhydritgestein hatte in ihrer ursprünglichen Lage eine Mächtigkeit von immerhin etwa 75 m. Der Halit (das Steinsalz) der Hauptfolgen z2 und z3 ist jeweils viele hundert Meter mächtig.

 

Doch wo ist das viele Salz geblieben,

das zuvor ja auch über dem heutigen Kalkberg lag und ihn ursprünglich vollständig umschlossen hat? Sobald der Salzdiapir bis in Grundwasserschichten aufstieg, in denen kein oder nur relativ wenig Natriumchlorid gelöst war (versickernde Niederschläge), wurde das Steinsalz vom Grundwasser aufgelöst. Das so entstandene Salzwasser hatte eine höhere Dichte als das umgebende Süßwasser und sank in tiefere Grundwasserschichten ab. Somit kann Salz in humiden Klimazonen nicht bis an die Erdoberfläche aufsteigen. Es stellt sich je nach Niederschlagsmenge und Durchlässigkeit des Deckgebirges in einer bestimmten Tiefe am Top des Salzstockes ein sogenannter Salzspiegel ein. Während nun also das Salz von unten nachdrängt und den Anhydrithärtling, solange er vom Salz noch ein gutes Stück umgeben ist, weiter empor drückt, wird das den Gesteinskörper ursprünglich umschließende Salz von den versickernden Niederschlägen schon im Untergrund `abgewaschen und fortgespült`. So kommt es, dass der Berg gleichsam aus dem Boden wächst, während von den ihn transportierenden Massen an Steinsalz an der Oberfläche niemals etwas zu sehen sein wird.

 

Anhydrit wird wieder zu Gips

Sobald der Anhydrithärtling mit dem Grundwasser in Berührung kommt, wird in die Kristallstruktur seines Gesteins Wasser (H2O) eingelagert und Anhydrit wird wieder zu Gips (CaSo4 wird zu Ca[SO4]·2H2O). Dies geschieht, wenn er aufgrund der fortdauernden Salztektonik partiell den Salzspiegel durchwandert, an der Gesteinsoberfläche oder entlang von Spannungsrissen, die durch die enormen mechanischen Kräfte während des langen Salzaufstiegs entstanden. Die Umwandlung von Anhydrit zu Gips geht einher mit einer Volumenzunahme von etwa 30% und der gleichzeitigen Abnahme der Gesteinshärte (von Mohshärte 3 bis 3,5 zu Mohshärte 2). Sobald die Erdoberfläche durchstoßen wird, setzt sich dieser Vorgang im direkten Kontakt mit den Niederschlägen natürlich fort. Durch die Volumenzunahme bei der Umwandlung zu Gips verschließen sich Spalten und Risse zunächst wieder, jedoch werden beim `Aufquellen` des Gesteins Spalten und Klüfte stellenweise auch geweitet und das Gestein gesprengt, so dass in Folge weiteres Wasser eindringen und Anhydrit zu Gips umwandeln kann. Sowohl Gips als auch Anhydrit (letzteres in kleineren Raten) sind wasserlöslich und so können verschlossene Klüfte ebenfalls wieder frei gewaschen werden. Heute stellt sich der Kalkberg im Niveau der Höhle, welches bergbaulich völlig unberührt geblieben ist, so dar, dass überschlägig etwa ein Drittel seines Volumens im Kern aus Anhydrit und etwa zwei Drittel gleichsam als Rinde oder Mantel aus Gips bestehen. Da Anhydrit das deutlich stabilere Gestein ist, ist es selbsterklärend, dass sich der Schauhöhlen-Bereich der Kalkberghöhle im Kern des Berges (also im Anhydrit) befindet und die anderen Bereiche nur gut ausgerüsteten und gut ausgebildeten Fachleuten mit Forschungsauftrag vorbehalten sind. Die im vergipsten Bereich des Berges liegenden Teile der Höhle befinden sich zu einem erheblichen Teil in der Phase der Inkasion (Rückbildung) und man bezeichnet diese als Versturz- oder Trümmerhöhlen. Das Aufsuchen dieser Bereiche ist ohne eine Sondergenehmigung wegen der Gefährlichkeit und aufgrund von Naturschutz-Bestimmungen grundsätzlich verboten. 

 

Und wie kommt jetzt die Höhle in den Berg?

Der Grundwasserspiegel in der Kalkbergscholle befindet sich heute mit geringen jahreszeitlichen Schwankungen etwa fünf Meter unter dem Höhlenboden. Doch das war vor geraumer Zeit einmal anders. Entlang der heutigen Gänge findet man mittig in der zumeist horizontal ausgeprägten Höhlendecke eine Spalte in Gangrichtung verlaufend, und würde man den im Jahre 1913 als Bodenbelag für den Schauhöhlenbetrieb eingebrachten Kies wieder heraus holen, könnte man sehen, dass als Gegenstück eine Spalte den Boden ebenfalls in Gangrichtung durchzieht. Da sowohl Anhydrit als auch Gips wasserlöslich sind, wissen wir also, dass es ursprünglich nur diese Kluftspalten im Berg gab, die über sehr lange Zeit bis zu Höhe der jetzigen Höhlendecke mit Wasser gefüllt waren. Im Anhydrit, der wesentlich schlechter wasserlöslich ist als Gips, geschah zunächst die schon erwähnte Umwandlung zu Gips, der jedoch gleich im permanent vorhandenen Wasser in Lösung gehen konnte. Damit schwindet das Gestein, und die mit Wasser überstauten Spalten werden geweitet. Die Gipslösung hat jetzt aber eine höhere Dichte als Wasser ohne gelöste Mineralien und sinkt daher nach unten. Eine Staffelung der Lösungskonzentration von unten nach oben stellt sich ein, sofern der Wasserkörper nicht bewegt wird. Das an Mineralen arme Wasser im oberen Bereich des Kluftwasserkörpers kann mehr und schneller weiteres Gestein lösen als das mit Mineralen angereicherte Wasser weiter unten. Das mit den Lösungsprodukten gesättigte Wasser ganz unten in der Sohlkluft kann natürlich gar kein Gestein mehr lösen. Und so finden wir entsprechend dieser Staffelung der Lösungsfähigkeit des Wassers hier Gangprofile vor, die sich von unten nach oben weiten. Diese schrägen nach oben sich entfernenden Wände werden Laugfacetten genannt. Nun muss aber in den angenommenen etwa 5.000 Jahren der Höhlenbildung ein Wasseraustausch stattgefunden haben. Sonst wäre alsbald im Wasser eine Sättigung mit den Lösungsprodukten erreicht, und der Prozess wäre zum Erliegen gekommen. Eine schlüssige Erklärung ist, dass die Laminarströmung des Kluftwasserkörpers über sehr schmale Klüfte und Trennfugen und durch das angrenzende Dolomitgestein (ein Poren-Wasserleiter) an die dem Landschaftsrelief der Umgebung folgende Grundwasserströmung gekoppelt war, sodass immer wieder frisches Wasser zuströmen konnte. Eine andere Erklärung könnte sein, dass das mit Calciumsulfat gesättigte Wasser entlang der Klüfte im Boden langsam in tiefere Grundwasserschichten abgesunken ist, während von oben entlang von Spalten und Fugen eindringende Niederschläge für einen Nachschub von lösungsfähigem Wasser sorgten. Die Höhe der Wassersäule in dem dieser Gesteinslösungsprozess stattfand, beträgt in der Kalkberghöhle etwas weniger als 3m, was in etwa überall in der Höhle die durchschnittliche Deckenhöhe der so genannten Laugdecken ist.

 

Ergänzung (naturschutz- und artenschutzrechtliche Bestimmungen)

Es gelten hier aufgrund des Vorkommens von drei im Bestand bedrohten Fledermausarten (Bechsteinfledermaus / Myotis bechsteinii, Großes Mausohr / Myotis myotis, Teichfledermaus / Myotis dasycneme) und einer kleinen Population einer endemischen Käfer-Spezies (dem Segeberger Höhlenkäfer / Choleva lederiana holsatica) die Vorschriften und Regelungen des Fauna-Flora-Habitat-Gebiet DE-2027-302 „Segeberger Kalkberghöhlen“ (nach 92/43/EWG `Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie` / Anhang 2, welche hier die Bundesartenschutzverordnung ergänzend noch über diese hinaus Gültigkeit hat).

 

Die Kalkberghöhle ist eines der größten Winterquartiere in Europa für zahlreiche seltene Fledermausarten. Sie kann von Anfang April bis Ende September im Rahmen von mehrmals täglich stattfindenden Führungen besichtigt werden. Auch geologische Führungen werden angeboten.

 

 

 

Die Wanderwege zu den Erfallgebieten

Kalkhausberg/Kalkkuhlen und Kagelsberg:

 

...wonach ich suche...

 

Vor etwa 10 Jahren habe ich mich bei Spaziergängen erstmalig ein wenig eingehender mit den Tafeln des geologischen Lehrpfades entlang des Wanderweges am Segeberger See beschäftigt. Auf dem Aussichtspunkt am Moosberg stehend, von wo man ein sehr schönes Panorama über fast den gesamten See erblickt, las ich, dass der Große Segeberger See zusammen mit dem Klüthsee nicht durch die letzte Eiszeit in die Landschaft geprägt wurde, sondern vielmehr den Scheitelgraben des sich darunter befindlichen, riesigen Salzstocks darstellt.

 

Scheitelgraben? Salzstock? Ein so beeindruckendes Loch, dass ein großer See daraus wird, entsteht, weil darunter Salz aufgestiegen ist?

 

Bei dem nächsten Aussichtspunkt am Kalkhausberg, auch Kalkkuhlen genannt, ist eine Karte der unmittelbaren Umgebung zu sehen, auf der diverse Dolinen (Erdfälle) eingezeichnet sind. Das sollen Versackungen von Erdreich in den Untergrund sein, weil darunter befindliche Hohlräume eingebrochen sind. Und am Kagelsberg würden auch noch mehr davon zu finden sein! Das war der Moment, von dem an ich durch meine Neugier angetrieben hier und da die vorgegeben Wege verlassen habe, um mir das einmal selbst anzuschauen. Und tatsächlich: Manche dieser Löcher sind so groß, dass man Mehrfamilienhäuser darin verschwinden lassen könnte. Und dann war da ja auch noch der Kalkberg mit seiner großen Höhle...

 

Ich fing an nachzulesen, was man bei Google und Konsorten über die geologische Beschaffenheit des Ortes wohl so alles erfahren kann und das war seinerzeit erstaunlich wenig. Die meisten meiner Fragen blieben unbeantwortet. Erst die Artikel und Aufsätze von dem leider damals schon verstorbenen Dr. Jürgen Hagel in den Heimatkundlichen Jahrbüchern für den Kreis Segeberg, welche in der Stadtbücherei zu finden sind, brachten ein wenig mehr Erkenntnis.

 

Derart faszinierende und auch ein wenig unheimliche Vorgänge spielen sich hier bekannterweise direkt unter unseren Füßen ab, und doch ist zu diesem Thema so wenig veröffentlicht? 

 

Seitdem trage ich zu diesem Thema zusammen, was ich finden kann und gehe abhängig von der mir zur Verfügung stehenden freien Zeit den sich daraus ergebenden Fragen und Hinweisen nach. Diese Homepage ist mein Mittel, die Fülle an relevanten Informationen zunächst für mich sinnvoll zu strukturieren, überall verfügbar zu haben und darüber hinaus auch in einem größeren Kreis kommunizieren zu können.

 

Inzwischen findet man zu dem Thema diverse Veröffentlichungen mehr, als vor zehn Jahren noch. In der Linkliste ist davon einiges zu finden. 

 

Und nun nochmal die überaus spannende Frage:

 

Gibt es am Ort noch weitere Höhlen wie die Kalkberghöhle? 

 

Ich persönlich bin nach mehrjähriger Beschäftigung mit dieser Frage als Laie davon überzeugt.

Das Vorhandensein mehrerer Großer Gesteinskörper (Anhydrithärtlinge), die wie der Kalkberg vom Salzstock aus großer Tiefe in die Höhe gehoben worden sind, und die sich stellenweise nur wenige Meter unter der Geländeroberfläche (wo bekannt im Grundwasser liegend) befinden, macht dies zumindest nicht unwahrscheinlich.

Noch interessanter scheint mir inzwischen jedoch die Frage zu sein, wie es unter diesen auch Hutgestein (genauer Residualgips) genannten großen Anhydritschollen wohl aussehen magt, die ja auch in einigen Bereichen unter dem Stadtgebiet von Bad Segeberg liegen. Da diese dem Salzstock aufliegen, welcher in weiten Bereichen nur wenig mehr als 100m unter unseren Füßen ansteht, und seit Jahrtausenden einsickerndes Regenwasser eindringt, Salz auflöst und wegführt, werden sich wohl an verschiedenen Stellen in der Tiefe vermutlich große Salzkavernen gebildet haben. Das ist gleichermaßen faszinierend wie unheimlich. Für mich ist es unheimlich faszinierend!

 

 

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