Quellen im See / Kampagne 1


Verortung der Karstquelle/n im Nordbecken des Großen Segeberger Sees im geologisch aktiven Bereich der Kalkkuhlen-Achse

 

 

Bei diesem Projekt werden mittels GPS-Verortung mit einer Unterwasserkamera die Stellen des Gewässers angefahren, welche sich in den Wintern zuvor als durchgängig eisfrei gezeigt haben und bei denen daher am Grund Quellaustritte angenommen werden können. Der Verlauf eines phreatischen Höhlen- od. Kluftsystems könnte bei Erfolg eingegrenzt werden.                                                                                                                                             x

 

Blick vom inmitten des Sees unter Wasser steil aufragenden Lehm-Schluff-Berg (lu, kalkhaltig) "Steinbank" od. auch "Vogelinsel" genannt, in Richtung Kalkhausberg & Moosberg
Blick vom inmitten des Sees unter Wasser steil aufragenden Lehm-Schluff-Berg (lu, kalkhaltig) "Steinbank" od. auch "Vogelinsel" genannt, in Richtung Kalkhausberg & Moosberg

Fast in jedem kälteren Winter lässt sich beobachten, dass bestimmte Bereiche des Großen Segeberger Sees keine geschlossene Eisdecke ausbilden. Da nach verschiedenen Untersuchungen aufgrund der erhöhten Konzentration von Chlorid, Natrium und Sulfat angenommen werden kann, dass besonders am Grund des Nordbeckens Karstquellen ihre Wässer einspeisen (Sebastian Baldauf 2008), wurden in den kalten Wintern in 2012+13 die eisfreien Bereiche im nördl. Teil des Sees mittels Kompass-Peilung von je mindestens zwei erhöhten Bezugspunkten aus verortet. Bei den als `Quell a.1` und `Quell a.3` bezeichneten offenen Flächen in der ansonsten fast vollständig geschlossenen Eisdecke handelt es sich um ein und das selbe Loch im Eis, welches im Verlauf des Winters in Richtung Nord wandert. `Quell a.1` ist eingemessen am 25.1. / `Quell a.3` am 13.3.2013. (Die Verortungen entsprechen in etwa denen des Vorjahres). Die vorherrschende Windrichtung über das Jahr ist SW (schwarzer Pfeil), so dass sich im freien Wasserkörper des Sees ein entsprechendes Strömungssystem einstellt, welches unter der weitgehend geschlossenen Eisdecke zunehmend zum erliegen kommt und die angenommene `Fahne` aus aufsteigendem Karstquellwasser im zeitlichen Verlauf immer weniger verzieht. Es gilt also in der Nähe zum verorteten Bereich `Quell a.3` am Grund nach einer Quelle zu suchen.

 

       Bei der als `Quell b` gekennzeichneten, offenen Wasserfläche, die im zeitlichen Verlauf lediglich ihre Größe verringert, jedoch ihre Position nicht wesentlich verändert, handelt es sich vielleicht nur um den Bereich, der aufgrung seines Abstands zum Ufe stets als letztes eine geschlossene Eisdecke ausbildet. Allerdings liegt dieser Bereich direkt auf der sog. Kalkkuhlen-Achse, welche die Erdfallkette Apfelgarten-Kalkhausberg und den Einbruch, den das kleine Bachtal der Rönnau darstellt, verbindet. Auch hier besteht somit für die Verortung einer größeren Quelle oder eines Quellbereiches eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass am Ostufer auf dieser Strecke oberflächennah Anhydrit ansteht. So wurde mit der Fiskalischen Bohrung II in Ufernähe von 5m bis 97m uG Gips und Anhydrit, darunter Steinsalz gefunden. Dieses Gebiet ist z.Zt. geologisch aktiv. Der eingangs gezeigte, 2011 entstandene kleine Erdfall befindet sich inmitten der großen Erdfälle am Kalkhausberg.

 

Ein weiterer Bereich, der Anomalien in der Eisdecke aufweist, befindet sich nah am nordöstlichen Ufer, Nähe Bootsanleger und Badestelle. Dort sind in den genannten Wintern jeweils auf einer ca. 230m langen, von NW nach SO verlaufenden Linie, clusterförmig ca. zwei Dutzend etwa 1-3m durchmessende dunkle /dünne Stellen im Eis auszumachen gewesen, die ihre Ursache vermutlich auch in aufsteigenden Quellströmungen haben.

 

Eine Untersuchung des Seegrundes in den o.g. Bereichen mit einer von einem Boot aus geführten Unterwasserkamera befindet sich in Vorbereitung. / Ein erster Testdurchlauf wurde am 17.6.13 bereits durchgeführt. Die ca. 4Std. georeferenziertes Filmmaterial vom Grund des Sees wurden ausgewertet, waren bisher jedoch noch ohne "Treffer". Das Material ist aber zumindest zur Vorbereitung eines weiteren Durchlaufes mit besserem Equipment sehr aufschlussreich./

 

Verortung der vermuteten Quellen im Großen Segeberger See, vermutl. gespeist  über Kluftsystem im Anhydrithärtling unter/um Kalkhausberg
Verortung der vermuteten Quellen im Großen Segeberger See, vermutl. gespeist über Kluftsystem im Anhydrithärtling unter/um Kalkhausberg
Relief
Relief

Legende:

Dreieck` kennzeichnet sowohl nachweisbare als auch vermutete Quellen.

Der schwarze Pfeil zeigt die übers Jahr vorherrschende Windrichtung (SW) an.

Rote Ortsmarke "B" kennzeichnet geologische Bohrung.

Die gelben Linien stellen den Randbereich der Hochlage des Salzstocks dar [nach LBEG Niedersachsen, NIBIS Kartenserver]. Die grüne Linie zeichnet die Hauptstörung des präquartären Untergrundes nach [Karte des präquartären Untegrundes SH 1:200.000]. Die roten Linien markieren die per Google Earth und in den topografischen Karten des `Landwirtschafts- u. Umweltatlas SH` und Gewässertiefen-Karten (LLUR), sowie zahlreich auch vor Ort gefundenen Gelände-Depressionen: Erdfälle, Dolinen, Subrosionszonen (aber auch Sölle, Mergelkuhlen, Schönungsgräben, Regenrückhaltebecken etc.). Mit `Kreis` gekennzeichnet sind sowohl die vom Geologischen Landesamt SH (LLUR) bestätigten als auch die von mir gemutmaßten, großen bis kleinsten Erdfälle u. Dolinen, sowie markante Subrosions-Senken. `Stern` kennzeichnet die prominentesten Geländekuppen, `Pfeil nach unten` die max. Gewässertiefen. Die blaue Linie zeichnet den Verlauf der Trave nach. Die hellblauen Linien stehen für Entwässerungsgräben, Bäche und Kleingewässer. Linien in pink u. violett  zeichnen die Ränder von sumpfigen Bereichen nach.

`kl. Kreis mit schw. Punkt` kenzeichnet Auffälligkeiten im Pflanzenwuchs über mind. 2 Jahre (ermittelt durch Vergleich des "historischen" Kartenmaterials von GoogleEarth). 

[Höhen bezogen auf NN, Tiefen bezogen auf GOK]

Großer Segeberger See am 12.3.13 aufgenommen vom Moosberg /Blickrichtung WNW
Großer Segeberger See am 12.3.13 aufgenommen vom Moosberg /Blickrichtung WNW

 

Zu Beginn des Winters, wenn das Dargebot an frei fliessendem Wasser im Boden noch größer ist, findet man am Ostufer weitere Auffälligkeiten in der Eisdecke. Diese Bereiche können aber aus Naturschutzgründen ohne entsprechende Genehmigung in den eisfreien Jahreszeiten nicht überprüft werden.

Großer Segeberger See 27.1.13 aufgenommen vom Kalkhausberg /Blickrichtung WSW
Großer Segeberger See 27.1.13 aufgenommen vom Kalkhausberg /Blickrichtung WSW

 

Die Linien-Strukturen in der Eisdecke, die regelmäßig am Beginn der Frostperiode zu beobachten sind, sollten einer gesonderten Betrachtung unterzogen werden. Möglicherweise zeigen sie Bereiche an, die, solange noch eine gewisse Wärme im Gewässer vorhanden ist, aufgrund vermehrter biologischer Aktivität besonders stark ausgasen. Eine vergleichende Betrachtung dieser Linien über mehrere Jahre könnte interessant sein.

Blick vom Kalkhausberg am 18.2.13,  Beginn einer Warmphase nach längerer Frostperiode
Blick vom Kalkhausberg am 18.2.13, Beginn einer Warmphase nach längerer Frostperiode
NO-Anomalie am 24.1.13 / aufgenommen vom Stipsdorfer Weg, Nähe Klühtseehof /Blickrichtung SW
NO-Anomalie am 24.1.13 / aufgenommen vom Stipsdorfer Weg, Nähe Klühtseehof /Blickrichtung SW
ein Abschnitt der NO-Anomalie am 12.3.13
ein Abschnitt der NO-Anomalie am 12.3.13

 

 

 

 

 

 

5.2.12 vom Kalkhausberg in Richtung West
5.2.12 vom Kalkhausberg in Richtung West

 

 

 

 

 

8.2.12
8.2.12

 

 

 

 

Seismische Daten:  Nordbecken & Steinbank

freundlicherweise zur Verfügung gestellt vom

Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN-SH)

 

Im Jahre 1990 wurde zur Erstellung der aktuellen Tiefenkarte des LLUR der Große Segeberger See mittels Seismik (Echolot) in 48 Profilen komplett neu vermessen. Interessanterweise erscheinen in einigen Bereichen unter dem Seegrund noch zwei weitere `Reflektoren`. Diese sind durch Dichteunterschiede des Untergrundes zu erklären. Aufgrund der an der `Fiskalischen Bohrung II` im Uferbereich der Kalkhausberg-Scholle gewonnenen Daten kann man vielleicht auch hier davon ausgehen, dass es sich bei dem ersten Reflektor unter dem Seegrund jeweils um den Gipshut (im Sinne eines bindigen/ wasserundurchlässigen Gemenges aus Ton und Gips) eines oberflächennah anstehenden Anhydrithärtlings und bei dem noch darunter liegenden Reflektor um den oberen Gipshorizont -vielleicht aber auch schon um den unvergipsten Anhydrit selbst- handelt. Eine genauere Zuordnung an der Untiefe `Steinbank` kann vielleicht erfolgen, wenn das dortige sehr zähe, hellgraue, tonige und kalkhaltige Sediment des Seegrundes quantitativ auf das Vorhandensein von Kalziumsulfat (Gips) untersucht worden ist. ...

 

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Eine erste Untersuchung der oberen 10cm Sediment der Vogelinsel (Steinbank) hat einen Sulfat-Anteil von nur etwa 1,4‰ ergeben. Der Gewichtsanteil an Carbonat hingegen beträgt etwa 17% (jeweils enthalten in 64% Feinsand ≤1mm, in 20% feinem Kies >1mm und in 16% Feinsediment ≥5µm).

 

Die Neugier verlangt, dass dort mit einem Bohrstock die etwas tiefer liegenden Sedimente ebenfalls beprobt werden! Richtig interessant wird es gemäß dem Sonogramm ja erst ab einer Tiefe von etwas mehr als 1m unter Grund. 


Untersuchung Steinbank 
(Steffens 1810) 

Kalkmergel:                                                          

bis 31cm Seekreide, Schalenreste, Flintgeröll  
bis 36cm Flintgeröll, Kriedestücke                     
bis 61cm Sand, Flintgeröll     
                             

bis 86cm grauerSand, Flintgeröll, Kreidestücke

 

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Teilprofile `Steinbank` (rot), Reflektor `Gips` (gelb), Tiefenanomalie (schwarz), unbestimmte Anomalie (blau)
Teilprofile `Steinbank` (rot), Reflektor `Gips` (gelb), Tiefenanomalie (schwarz), unbestimmte Anomalie (blau)
Steinbank / Vogelinsel / Barschberg
Steinbank / Vogelinsel / Barschberg
Profile `Nordbecken` OSO-WSW u. NO-SW (rot), Reflektoren `Gips` (gelb), Tiefenanomalie (schwarz), mit Quellbereichen (hellblau)
Profile `Nordbecken` OSO-WSW u. NO-SW (rot), Reflektoren `Gips` (gelb), Tiefenanomalie (schwarz), mit Quellbereichen (hellblau)

Bei den mehrfach in den Sonogrammen auftauchenden Lücken ist es leider noch unklar, ob es sich tatsächlich um Öffnungen im Seegrund oder vielleicht doch eher um Messfehler handelt. Bei dem hier gezeigten (im Bild oben ist es das obere Profil) ist das Areal jedoch vielversprechend ...