Die METHODE

Gewässer (blau), Salzstock (gelb), Salzkissen (weiß)
Gewässer (blau), Salzstock (gelb), Salzkissen (weiß)

- von Störungszonen & Aquiferen -

"Die geologische Situation um den Salzstock Segeberg ist sehr ausführlich bekannt. Diese Kenntnis ist jedoch aus wirtschaftlichen Gründen nicht allgemein zugänglich." (Zitat Klußmann, DKRZ)                                                                 x

 

Durch die möglichst umfassende Betrachtung von markanten Landschaftselementen, wie Geländedepressionen (zunächst ungeachtet ihrer Genese), Geländekuppen, Quellen und anderen Gewässern, sowie mit der Geologie korrespondierenden biologischen Phänomenen und damit im Zusammenhang auch des zugänglichen Kartenmaterials sowie veröffentlichten Bohrdaten, sollte es vielleicht auch einem geologisch interessierten Laien möglich sein, weitergehende Schlussfolgerungen über die Beschaffenheit der Hochlage des Segeberger Salzstocks (Salzdiapir) und damit auch zum untergründigen Karst zu entwickeln. Die auf diesen Seiten vorgestellte Datensammlung und deren Aufbereitung dienen zunächst einer möglichst übersichtlichen und zusammenhängenden Betrachtung der zugänglichen und relevanten Informationen.

Geländedepressionen (rot), Gewässer (blau), Salzstock (gelb)
Geländedepressionen (rot), Gewässer (blau), Salzstock (gelb)

`Google-Earth` hat sich als Georeferenzierungsystem zur zusammenhängenden Betrachtung von zuvor gesammelten Informationen als geeignet erwiesen. Wenn man häufig auf der Suche nach Erdfällen, Dolinen, Söllen und Mergelgruben (n.a.) mit GPS-Gerät im Gelände unterwegs war und seine Beobachtungen mit den Satellitenfotos auf Google-Earth abgeglichen hat, stellt man irgendwann fest, dass ein großer Teil dieser Recherche auch bequem zu Hause am Bildschirm durchgeführt werden kann. Auch lässt sich das `historische` Bildmaterial (für den Raum Segeberg hier bisher berücksichtigt aus 2004, 2006 u. 2010) nutzen, um herauszufinden, ob Auffälligkeiten im Pflanzenwuchs auf landwirtschaftlich genutzten und saisonal bewirtschafteten Flächen über längere Zeit Bestand hatten. Daraus ergeben sich Hinweise auf kleinräumige Abweichungen bei dem der Vegetation zur Verfügung stehenden Feuchtigkeitsangebot und somit der Beschaffenheit des oberflächennah anstehenden Untergrundes: Wasser schwindet, oder es sammelt sich in Senken, Mooren und Sümpfen, oder aber es tritt aus Quellen, Quell- und Hangmooren zu Tage.

& mehrjährig auffälliger Pflanzenwuchs
& mehrjährig auffälliger Pflanzenwuchs

 Besonders interessant ist es, wenn diese `Gelände-Marken` in Linien oder Clustern angeordnet sind. Man sollte bei dieser Betrachtung allerdings nicht vergessen, dass diese Erscheinungen nicht nur durch untergründige Karstbildungen, sondern z.T. auch durch eiszeitliche Ablagerungen (Ton, Schluff, Sand, Geröll) bedingt sein können. Daten zum Geländerelief lassen sich mit der Bild-Overlay-Funktion durch das Überlagern topografischer Karten vom `Landwirtschafts- und Umweltatlas Land SH` generieren. Bohrdaten erfährt man, sofern allgemein freigegeben, über den `NIBIS-Kartenserver` des LBEG oder direkt vom LLUR.

Weitere, unter dem Punkt `Kampagnen` erläuterte Untersuchungen beziehen sich auf das Auffinden geogener Einträge von Karstwässern und Sole in die Oberflächengewässer, das Verorten rezent aktiver Subrosionsvorgänge und die Entstehung neuer Dolinen / Erdfälle sowie Betrachtungen zu sog. `Bioindikatoren` zum Auffinden aktiver Bruchlinien /Störungszonen und damit eventuell verbundenen, unterirdischen Hohlräumen (als da wären: Nester Roter Waldameisen, ausgedehnte Dachsbauten und eventuell deren Nestkäfer-Populationen, sowie das saisonale Aufkommen von vorwiegend in Höhlen überwinternden Fledermäusen der Gattung Myotis).


  Bei dem hier vorgestellten `hypothetischen Muster von salztektonischen Störungszonen`

(also den durch Salzaufstieg entstandenen Bruchlinien in der oberen Erdkruste) handelt es sich zunächst um einen spekulativen Ansatz, welcher sich an den bisher veröffentlichten Erkenntnissen zur Geologie bei Bad Segeberg orientiert, und der für weitere gezielte Untersuchungen Anhaltspunkte liefern sollte.

 

Systematische Entwicklung eines hypothetischen Muster von   

Störungszonen (Bruchlinien) über dem Salzstock von Bad Segeberg

 

 &

 

Salztektonischen Hochlagen und Ableitung des dazwischen liegenden Aquifersystems

Legende:

Die inneren gelben Linie stellen den Randbereich der Hochlage des Salzstocks dar, die hellgelben äusseren Linien deuten die Randlage des Salzkissens an [nach LBEG Niedersachsen, NIBIS Kartenserver]. Die grüne Linie zeichnet die präquartäre Hauptstörung nach [Karte des präquartären Untegrundes SH 1:200.000]. Die roten Linien markieren die per Google Earth und in den topografischen Karten des `Landwirtschafts- u. Umweltatlas SH` und Gewässertiefen-Karten (LLUR), sowie zahlreich auch vor Ort gefundenen Gelände-Depressionen: Erdfälle, Dolinen, Subrosionszonen (aber auch Sölle, Mergelkuhlen, Schönungsgräben, Regenrückhaltebecken etc.). Mit `Kreis` gekennzeichnet sind sowohl die vom Geologischen Landesamt SH (LLUR) bestätigten als auch die von mir gemutmaßten, großen bis kleinsten Erdfälle u. Dolinen, sowie markante Subrosions-Senken. `Stern` kennzeichnet die prominentesten Geländekuppen, `Pfeil nach unten` die max. Gewässertiefen. Mit der blauen Linie ist der Verlauf der Trave gekennzeichnet, hellblau steht für Entwässerungsgräben, Bäche und Kleingewässer. `kl. Kreis mit schw. Punkt` kenzeichnet Auffälligkeiten im Pflanzenwuchs über  mind. 2 Jahre (ermittelt durch Vergleich des "historischen" Kartenmaterials von GoogleEarth).

Quellen sind jeweils durch `Dreieck` gekennzeichnet. Linien in pink zeichnen die Ränder von sumpfigen Bereichen nach.

Schwarze Linien deuten das aufgrund markanter `Geländemarken` und Lineamente hypothetisch angenommene Muster salztektonischer Bruchlinien /Störungszonen an. Violette Polygone = Anhydrit/Gips steht oberflächlich oder oberflächennah an (<80m uG), dunkelblaue P. = Gips/Anhydrit ab 80-120m uG, hellblaue P. = kein Anhydrit nachgewiesen oder Tiefe unbekannt . (Höhen bezogen auf NN, Tiefen bezogen auf GOK)

 

 zur Karte  "Lage der tektonischen Elemente im Salzstock Bad Segeberg"

Original-Titel: "Die Tiefenlage der Quartärbasis auf dem Salzdom von Segeberg"

(Teichmüller 1946)

 

Schwarz: zutage tretender Hauptanhydrit,

Punktiert: Senken über dem jüngeren Steinsalz 

 

Beschriftungen:

Aufgeschlepptes Mesozoikum (Kreide)

Rand des Tops nach Drehwage und Bohrungen

Kalkbergachse

Kalkkuhlenachse

Segeberger See

Klüth-See

Kontur einer seismischen Hochlage

Stipsdorf

Roter Salzton

Synthese

Man erkennt am Verlauf des Westufers Großer Segeberger See den ursprünglichen und fast schnurgerade aufgebrochenen Scheitelgraben in dem Salzstock aufliegenden Deckgebirge. Das Westufer scheint auf seiner ganzen Länge im Untergrund aus drei großen, massiven Blöcken zu bestehen, deren Aufstieg vielleicht aufgrund ihrer relativen Unverbrochenheit und daher ihres großen Gewichts vor geraumer Zeit zum Stillstand kam. Entlang der präquartären Hauptstörung (grüne Linie), welche Teil eines älteren und viel größeren Störungssystems ist (rheinisches Streichen) und den Salzaufstieg eingeleitet hat, sind die salzüberdeckenden Schichten aufgerissen wie die Kruste eines beim Backen aufgehenden Brotes. Hier konnten nun einsickernde Niederschlagswässer und auch Schmelzwässer der letzen Eiszeiten das Salz lösen und über den Aquifer an und in den Flanken des Diapirs in gößere Tiefen wegführen und so den Scheitelgraben weiter vertiefen und verbreitern. Im Bereich der Stadt südlich des jetzigen Großen Segeberger Sees und entlang seines Ostufers dauerte der Salzsaufstieg (Straßfurt-Folge, z2) hingegen fort. In diese Richtung hatten sich durch die andauerde Aufwölbung des Diapirs Querstörungen geöffnet (herzynisches Streichen) und dadurch diesen Bereich weiter destabilisiert. Auch hier kam es jetzt zu großräumigen Subrosionszonen, in die hinein die angrenzenden Anhydritschollen zum Teil verkippten und sich zu senken begannen (Subduktion bzw. teilweise Subduktion). Man kann auch erkennen, dass die Kalkbergscholle, `Die Hohekoppel` (Kuppe am Südufer bei DAK-Schulungszentrum), Stipsdorfer Berg (Wittmack Park), Spitzenort und Kalkkuhlen (die beiden Landzungen, die in den See von Ost hineinragen), und das Gelände um den Kagelsberg durch mindestens 5 unterschiedlich große, auf dem Salzstock aufliegende Hochschollen geprägt worden sind. Bohrungen treffen bei Spitzenort und Kalkkuhlen bereits nach wenigen Metern bis mehreren Dekametern auf Gips und Anhydrit. Neben diesen beiden und der Kalkbergscholle ist unter dem Kagelsberg ebenfalls ein solcher Anydrithärtling bekannt. Bei dem sich von SW nach NO erstreckende Höhenzug um den Moosberg handelt es sich, so wie auf der Tafel vom geologischen Lehrpfad (weiter unten) dargestellt, wohl um eine lange Reihe von Anhydrit-Hochschollen, welche hier die Landschaftstruktur maßgeblich geprägt haben. Sulfatgestein (Gips, Anhydrit) fand man hier durch einige wenige Bohraufschlüsse nach Angaben des geologischen Landesamts (LLUR) ab 110 und 120m unter Grund (uG).

 

 

 

 

 

Der Kalkberg in seinem Bett aus Steinsalz 

(eine Überschlagsberechnung)

gemittelte Werte
gemittelte Werte
Die hydraulischen Verhältnisse am Kalkberg: hydrostatische Drücke, Gebirgsdruck, Massentransporte
Die hydraulischen Verhältnisse am Kalkberg: hydrostatische Drücke, Gebirgsdruck, Massentransporte

 

 

Wenn man stark vereinfacht den Gesteinskörper Kalkberg ausgehend von seinem u.a. durch Bohraufschlüsse erkundeten annähernd halbkreisförmigen Umriss als in sich konsistenten Monolithen halbzylindrischer Form, von seiner Auflage im Halit bis zum ehemaligen Gipfel in seiner ursprünglichen Höhe von dann gesamt 210m und einem im Niveau der Höhle erkennbaren Materialverhältnis von überschlägig 32% Anhydritkern (2,98 g/cm³) zu 68% Gipsrinde (2,317 g/cm³) denkt, erhält man eine mittlere Dichte von 2,529 g/cm³ und damit ein Gesamtgewicht von 22.700.000 t bei einem Volumen von 8.980.000 m³. Die Auflagefläche im Steinsalz beträgt bei dieser Überschlagsrechnung 42.800m² und damit kommt man rechnerisch auf einen Druck von 52 bar mit welchem der Kalkberg dem Salzstock aufliegt.

 

Da Halit (Steinsalz) bereits bei Drücken ab 50 bar plastisch reagieren kann und mit seiner Dichte von 2,168 g/cm³ leichter ist als das Gestein des Berges, wird der Gesteinskörper gemäß dem archimedischen Gesetz an seiner Basis ein Stück weit vom Salz umschlossen sein. Wenn man nun hingegen bei einem Auflagedruck von 49 bar von einer vollständigen Inflexibilität des Halit ausgeht, ergibt sich rechnerisch ein maximales Einsinken um 14 m.

Während der Salzspiegel unter dem Kalkberg bei -96m uNN erbohrt wurde, wird er sich in der unmittelbaren Umgebung demnach bei etwa -82m uNN befinden.

 

 Es wurden im mehrjähriger interdisziplinärer Arbeit vom Team rund um den Historiker und Leiter unseres Stadtmuseums `Alt-Segeberger Bürgerhaus` M.A. Nils Hinrichs die wirkliche Ausdehnung der ehemaligen Burganlage der Siegesburg und damit auch die wirkliche Größe des ursprünglichen Kalkberges rekonstruiert.

Man weiß heute, dass das abgebaute Volumen des Berges mehr als vier mal so groß war, wie bisher angenommen. Wenn man nun also weiterhin den bisher überschlägig berechneten Wert von 2,5 Mio. Tonnen abgebauten Gesteins in den vergangenen 400 Jahren gemäß dieser Erkenntnis auf 11 Mio. Tonnen nach oben korrigiert, kann man eine weitere Überlegung anschließen:

 

Der Kalkberg als Gesteinskörper in seiner Gesamtheit ist durch den Bergbau der vergangenen vier Jahrhunderte um etwa die Hälfte leichter geworden. Damit hat auch der Druck im Auflager um die Hälfte abgenommen.

 

Wenn man die hundertjährige Geschichte der Kalkberghöhle als Schauhöhle und besonders die Probleme mit der Anlage des künstlich angelegten ehemaligen Teiches in der Zentralhalle betrachtet, wo in jüngerer Zeit das tektonischen Zentrum verortet wurde, erkennt man vielleicht einen weiteren Zusammenhang. Die Beton- und Bitumenschichten, welche ab 1932 zum Abdichten der Teichsohle gegen den klüftigen Untergrund mehrfach eingebracht und überarbeitet wurden, haben nie lange ihren Zweck erfüllt. Regelmäßig traten neue Undichtigkeiten auf, so dass letztlich über fünfzig Jahre in jeder Nacht Wasser aus einer versteckt installierten Leitung nachgeführt werden musste. Vielleicht nun hat die Verminderung des Gewichts des Berges und somit auch des Druckes auf den Salzstock zu einer beschleunigten Aufwärtsbewegung des Gebirgskörpers geführt. Da dieser aber in sich nicht konsistent ist, wie oben der Einfachheit halber zunächst angenommen, sondern aus unzähligen Blöcken z.T. mit unterschiedlicher Festigkeit und Dichte besteht, kommt es durch den Druck und die Bewegung des Salzes natürlich auch zu Bewegungen entlang der Trennfugen im Gestein. Der die Kluftkreuzung in der Zentralhalle (früher Teichhalle) überspannende Beton, ist dadurch entweder immer wieder gerissen oder hat an den Rändern seinen Anschluss zu seinem Gesteinsbett verloren. Diese Verschiebungen im Gefüge des Kalkberges halten so lange an, bis ein neues Gleichgewicht zwischen dem tektonischen Druck des Salzes und den partiellen Gewichtskräften des Berges erreicht ist. Das wird, die heutigen tektonischen und strukturellen Verhältnisse als weitgehend dauerhaft vorausgesetzt, wohl erst in etwa 1.000 bis 1.400 Jahren der Fall sein. Bei einer salzstektonisch bedingten Heberate von 1mm per Anno sind die 14m Höhendifferenz im Salzspiegel von unter zu neben dem Kalkberg dann ausgeglichen.

 

Aus dem Grundwasserkörper des Kalkberges wurde in der Vergangenheit aus einer Tiefe von -19m uNN (-75m uG) im ehemaligen Schacht 1 gesättigte Sole gefördert. Das feste Steinsalz liegt darunter bei -96m uNN. 

Da es im Bereich der Grundwasseraufschlüsse in der Höhle und auch in der näheren Umgebung des Kalkberges keine Salzwasserquellen gibt, kann man davon ausgehen, dass unter dem Anhydrithärtling `Kalkberg` aktuell keine Auflösung des Steinsalzes und somit auch kein Schwinden seines Auflagers mehr stattfindet, jedenfalls seit die Soleförderung vor einigen Jahren eingestellt wurde.

 

In der Subrosionsdoline Kleiner Segeberger See in unmittelbarer Nähe zum Kalkberg verhält es sich jedoch anders. Im umliegenden Grundwasserkörper liegt die Grenzschicht zwischen dem aufschwimmenden Süßwasser und dem schwereren Salzwasser bei -53,5m und das Halit liegt darunter mutmaßlich, wie oben erläutert, ab einer Tiefe von -82m uNN. Hier sinkt das durch Niederschläge gespeiste Oberflächengrundwasser in den Top des Salzstockes hinein, löst dort punktuell Salz und führt es entlang einer Lösungsrinne oder einer Kluft an die Flanke des Salzstockes heran, um in tiefere Grundwasserschichten gleicher Dichte in der Umgebung des Diapirs abzusinken. (Siehe dazu auch den Text `Eine alte Karte wird interessant` auf Seite Unterwasser-Erkundung Kleiner Segeberger See)

 

Der Kluftwasseraquifer im Kalkberg stellt einen schwebenden Grundwasserleiter dar, d.h. es besteht keine hydraulische Verbindung zum umliegenden Grundwasserkörper (~33m üNN im Kalkberg gegenüber zB. 37,5m üNN im Kleinen Segeberger See). Nachdem der 1871 angelegte Speisewasserstollen zusammen mit den Versuchen am Kalkberg bergbaulich Steinsalz zu gewinnen aufgegeben worden war, hat sich in seiner Höhe der heutige Grundwasserspiegel eingestellt, da der Stollen inzwischen unbeabsichtigter weise als Auslaufbauwerk fungiert.   

Es findet also nur im Oberflächenwasser ein durch versickernde Niederschläge angetriebener Wasseraustausch statt. Das Tiefenwasser steht unbewegt seit Jahrtausenden mit dem Steinsalz in Kontakt, so dass die Versalzung durch Diffusion sehr weit nach oben bis in eine nur relativ geringe Tiefe aufsteigen konnte.

 

 

 Höhen-Tafel

Die Höhenangaben sind auf 0,5m gerundet  und bezogen auf Höhe Null (HN)
Die Höhenangaben sind auf 0,5m gerundet und bezogen auf Höhe Null (HN)
LLUR

 als bekannt vorausgesetzte Hauptstörungszonen

Tafeln Geologischer Lehrpfad

 

 

 

 

Kalkbergscholle im Relief des LLUR

Der Kalkberg und die z2/z3-Grenze

                ( Zechsteinmeer Wikipedia )  

Zechsteinfolge
Zechsteinfolge

Dem aktuellen Kenntnisstand nach besteht der Kalkberg aus dem Hauptanhydrit A3 zwischen Leine-Steinsalz (Folge z3) an der Westflanke und dem älteren, ursprünglich darunter liegenden Straßfurt-Steinsalz (Folge z2) im Bereich der Ostflanke des Salzstocks. Der nordöstliche Rand der Kalkbergscholle wird scharf von einer annähernd senkrecht gestellten Kalkstein-/Dolomitbank begrenzt, welche ursprünglich unter dem Anhydrit A3 gelegen hat. Offenbar hat das Straßfurt-Steinsalz (Na2) das jüngere Leine-Steinsalz (Na3) während des Aufstiegs durchschlagen und überholt, und es wurde dabei die dazwischen liegende, etwa 75m mächtige Anhydritschicht zusammen mit dem etwa 1,6m starken Dolomit aus der ursprünglichen horizontalen Lage in die Senkrechte gedreht. Die Fiskalische Bohrung IV bei Schacht 1 im ehemaligen Bergwerk auf der Kalkbergscholle hatte ergeben, dass im Bereich der Ränge des jetzigen Karl-May-Stadion 150m unter Grund das Salz der Leine-Serie unter dem Anhydrit ansteht. (In der Bohrsäule zwischen A3 und Na2 fand sich ebenfalls der Rote Salzton T4, der sich auch an der Ostflanke des Diapirs oberflächennah wiederfindet und der die Serie z3 nach oben hin begrenzt.)                         

Wenn man diese Verhältnisse auf die anderen bekannten Hochschollen überträgt, ergibt sich für den oberflächennahen Verlauf der Grenze zwischen z2 und z3 in grober Näherung folgendes Bild:

( Salzstock Wikipedia )

Die dunkel- u. hellroten Linien zeichnen die mutmaßlichen Grenzverläufe nach - zwischen dem durchschlagenden Straßfurt-Steinsalz (Na2) und dem umgebenden Leine-Steinsalz (Na3)
Die dunkel- u. hellroten Linien zeichnen die mutmaßlichen Grenzverläufe nach - zwischen dem durchschlagenden Straßfurt-Steinsalz (Na2) und dem umgebenden Leine-Steinsalz (Na3)

Rotation

der Kalkberg(Kb)-Scholle während des Salzaufstiegs:

Beginn des Salzaufstiegs und Bildung eines Salzkissens in ~4km Tiefe
Beginn des Salzaufstiegs und Bildung eines Salzkissens in ~4km Tiefe
anfängliche Entstehung des Diapirs, Na2 beginnt beim Auftieg Na3 zu durchschlagen und im Anschluss zu überholen
anfängliche Entstehung des Diapirs, Na2 beginnt beim Auftieg Na3 zu durchschlagen und im Anschluss zu überholen
Top des Salzstocks heute, nachdem das Straßfurt-Steinsalz (z2) das Leine-Steinsalz (z3) durchschlagen hat, wurde der Anhydrithärtling der späteren Kb-Scholle  (A3) auf das jüngere Salz Na3 und den darauf zum Liegen gekommenen Roten Salzton T4 gekippt
Top des Salzstocks heute, nachdem das Straßfurt-Steinsalz (z2) das Leine-Steinsalz (z3) durchschlagen hat, wurde der Anhydrithärtling der späteren Kb-Scholle (A3) auf das jüngere Salz Na3 und den darauf zum Liegen gekommenen Roten Salzton T4 gekippt

einige Bohrdaten:

& daraus abgeleitet

Längsprofil des Deckgebirges

über der Ostflanke des Diapirs (also östlich des Scheitelgrabens)

Die Entfernungsangaben unter dem Diagramm beziehen sich auf die graue Linie. Die Entfernungsangaben oberhalb des Diagramms beziehen sich auf den Abstand nach NW und SO zur roten Linie.
Die Entfernungsangaben unter dem Diagramm beziehen sich auf die graue Linie. Die Entfernungsangaben oberhalb des Diagramms beziehen sich auf den Abstand nach NW und SO zur roten Linie.

GOK (Geländeoberkante) bezieht sich im Bereich der Bohrungen immer auf diese, ansonsten werden damit auch die Geländekuppen und der Gewässergrund angezeigt. Die Anhydritmassen um Spitzenort und Kalkkuhlen wurden der Anschaulichkeit wegen zusammenhängend dargestellt. Sicher ist, dass diese aus verschiedenen Anhydrithärtlingen bestehen. Es handelt sich hier um den Versuch die punktuell verorteten Daten in einer Zusammenschau darzustellen.

 

Man kann hier ablesen, dass der Salzaquifer im Top und an den Flanken des Salzstockes in unmittelbarer Nähe zum Großen Segeberger See seine Wässer nicht nur über einige Bereiche seiner Ostflanke und unter dem Rönnau-Graben (wie weiter oben zu sehen) sondern auch mit einer starken Tendenz nach Südwest z.T. unter dem Stadtbereich wegführt.  Damit lässt sich die Senkungszonen, welche von der Backofenwiese über die Wiesen entlang dem Kastanienweg bis zu den Havwiesen reichen, und vielleicht auch die Entstehung des Erdfalles, der heute als Kleiner Segeberger See bekannt ist, erklären.

 

 

Spekulationen zur Intrusion Na2 nach Na3, abgeleitet von der Stauchung und Senkrechtstellung (Verkippung) der Kalkbergscholle

Zur Veranschaulichung: hydrodynamische Simulation (Wikipedia: Wirbel). Die Viskosität des plastischen Salzes ist natürlich sehr viel höher und seine Durchmischung daher sehr viel geringer als in diesen Abbildungen
Zur Veranschaulichung: hydrodynamische Simulation (Wikipedia: Wirbel). Die Viskosität des plastischen Salzes ist natürlich sehr viel höher und seine Durchmischung daher sehr viel geringer als in diesen Abbildungen

Jeweils 200 bis 400m in südlicher Richtung der nordöstlich des Kalkberges gelegenen Geländekuppen (Stipsdorfer Berg, Spitzenort, Moosberg, Kagelsberg) sind ebenso wie am Kalkberg mit Wasser gefüllte Senken bzw. Erdfälle zu finden. Vom Kalkberg selbst ist bekannt, dass seine nordöstliche Flanke von einer senkrechten und etwa 1,6m mächtigen Dolomitschicht begrenzt ist. Dieses Calcitgestein ist das erste Evaporitgestein der Zechsteinfolge Z3, welches am Ursprungsort des Salzstockes in etwa 4.000m Tiefe noch horizontal unter dem etwa 75m mächtigen Hauptanhydrit (A3) gelegen hat. Dass diese Schicht jetzt senkrecht steht, zeugt von den Kräften die während des Salzaufstiegs gewirkt haben. So wurde die gesamte Kalgbergscholle nach südwest fallend zunächt gekippt bis sie in ihrer heutigen Position senkrecht gestellt wurde. Angetrieben wurde diese Rotation durch den schnelleren Auftrieb des Salzes Na2 beim Durchschlagen des Salzes der Folge z3 (s.o. "Rotation der Kalkberg-Scholle während des Salzaufstiegs"). Von dem sog. Anhydrithärtling, der heute die Kalkbergscholle darstellt, ist diese Rotation also bekannt, und man findet unmittelbar angrenzend in südwestlicher Richtung die große Subrosionsdoline Kleiner Segeberger See, dort wo es durch die hydrodynamischen Prozesse im Diapir zu einer relativen Abwärtsbewegung gekommen ist, welche lokal die den Salzstock nach oben abdichtenden Sedimente wie den Roten Salzton der Aller-Folge (z4) nach unten gezogen und somit diese Deckschichten dort perforiert hat. Wenn man diese Relation von Anhydritkörper zu Subrosionsdoline auf die anderen salztektonisch bedingten Geländehebungen überträgt, lässt sich schlussfolgern, dass es dort jeweils auch zu einer solchen Verkippung des Anhydrithärtlings tendenziell in Richtung Süd und einer strukturellen Schwächung des untergründigen Gefüges mit einhergehender Durchlässigkeit für einsickernde Oberflächenwässer gekommen ist. Die Ableitung (unten) legt nahe, dass beim Salzaufstieg nicht nur Rotationsbewegungen in der Senkrechten sondern auch in der Horizontalen stattgefunden haben.

Spekulationen zur Intrusion Na2 nach Na3, abgeleitet von der Stauchung und Senkrechtstellung (Verkippung) der Kalkbergscholle
Spekulationen zur Intrusion Na2 nach Na3, abgeleitet von der Stauchung und Senkrechtstellung (Verkippung) der Kalkbergscholle

Wandel in Jahrtausenden

Hier lässt sich vielleicht erahnen, wie der Große Segeberger See und der Klüthsee ihre Gestalt in einigen tausend Jahren gewandelt haben könnten.

 

1. nach der letzen Eiszeit bis heute nach mindestens zwei Wasserstandsabsenkungen:

vor etwa 5.000 Jahren salztektonisch bzw. durch Salzlösung bedingt (Bruchgraben Rönnau, nach Dr. Jürgen Hagel)

und vor einigen Jahrhunderten antropogen verursacht im Zusammenhang mit dem Betrieb der Wassermühle in Klein Rönnau

 

und

2. in einigen Jahrtausenden in der Zukunft durch Salzlösung bedingt; aufgrund anhaltender Geländeabsenkung

Der Goße Segeberger See postglazial, Hagel & Ross (1999) nach Stein (1953)
Der Goße Segeberger See postglazial, Hagel & Ross (1999) nach Stein (1953)
Blick nach Süd von Spitzenort zum Wittmack Park (Stipsdorfer Berg) August 2016, Höhe ca. 40m
Blick nach Süd von Spitzenort zum Wittmack Park (Stipsdorfer Berg) August 2016, Höhe ca. 40m

 

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